Exzellenter Winter Tagebuch

Mittwoch, 25.03.26

Der Tag begann für mich wie gewohnt um 6 Uhr im Ferienhaus Gierl in Viechtach. Nach dem Aufstehen und Fertigmachen habe ich mir in der Küche noch schnell einen Tee gemacht, bevor wir pünktlich in den Tag starten konnten. Für eine so besondere Famulatur nimmt man die längere Fahrt am Morgen gerne in Kauf. An diesem Tag wurden wir dafür direkt belohnt: Während der Fahrt bot sich uns ein beeindruckender Ausblick mit Sonne, Nebel zwischen den Bäumen und einer ganz besonderen Morgenstimmung. So etwas erlebt man wirklich nur, wenn man früh unterwegs ist.
Nachdem ich die anderen aus unserer Gruppe zu ihren Praxen gebracht hatte, ging es für mich weiter in die Kinderarztpraxis im Herzen von Zwiesel. Dort standen wieder viele U-Untersuchungen an, von U2 bis U9 war alles dabei. Zwischendurch kamen Kinder mit Atemwegsinfekten, Bauchschmerzen, zu Kontrollterminen und für Impfauffrischungen. Besonders spannend finde ich, wie abwechslungsreich der Alltag in einer Kinderarztpraxis ist und wie wichtig es dabei ist, auch in lebhaften Situationen ruhig und strukturiert zu bleiben.
Um 12 Uhr war die Arbeit in der Praxis beendet, der Tag aber noch lange nicht, denn heute stand das letzte Teaching auf dem Programm. Gemeinsam mit Dr. Werner, Hausarzt und Psychotherapeut, bekamen wir zunächst einen kurzen Einblick in die Geschichte der Balint-Gruppe. Nach dieser Einführung wurde deutlich, worum es in der Balintarbeit im Kern geht: die Arzt-Patient-Beziehung anhand eines konkreten Falles gemeinsam zu reflektieren. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht in erster Linie Diagnostik oder Therapie, sondern Kommunikation, Beziehung und das, was zwischen den Zeilen mitschwingt. Ich fand es sehr bereichernd zu erleben, wie durch die verschiedenen Rückmeldungen neue Sichtweisen entstehen und man den eigenen Umgang mit schwierigen Situationen bewusster wahrnimmt.
Am Abend fand dann die Abschlussrunde mit Wolfgang Blank und der Gruppe aus Waldmünchen statt. Bei einem gemeinsamen Abendessen ließen wir die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren, tauschten Feedback aus und sprachen darüber, was uns in den Praxen besonders geholfen hat und was wir aus dieser Zeit mitnehmen. Wolfgang fand zum Abschluss sehr persönliche und wertschätzende Worte, die diesen letzten Abend auf besondere Weise abrundeten. Als kleines Dankeschön überreichten wir ihm ein Bier aus unseren Heimatregionen und damit zugleich eine Erinnerung an diese besonderen Wochen.
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Liebes Landarztmacher-Tagebuch,

mein Tag begann wie immer um 6.35 Uhr – besser gesagt um 6.45 Uhr –, wenn ich wirklich aufstehen muss, weil dann meine Mitbewohnerin unser Schlafzimmerfenster öffnet, was mittlerweile mein konditionierter Reiz ist, mich ins Bad zu begeben. Schnell ziehe ich mein All-in-white-Arbeitsoutfit an, binde meine Haare zusammen und mache mich fertig für den Tag. Zum Frühstück gab es dann ein Müsli und ein Brot, das mich zumindest bis mittags satt halten sollte. Da wir heute direkt zum Teaching und anschließend nach Viechtach fahren würden, mussten wir einiges ins Auto laden: das Chili, das gestern noch gekocht wurde, Gemüse und Snacks fürs Teaching und Wechselklamotten.

Zusammen sind wir in die Praxen gefahren. Nach 15 Minuten darf ich in Tiefenbach aussteigen, während die anderen weiter nach Oberviechtach düsen.

Ab acht Uhr morgens strömen die Patienten in die Praxis. Frau Doktor und ich teilen uns direkt auf. Ich darf die Patienten immer erst selbst befragen und untersuchen, dann kommt meine  Ärztin, schaut an, was ich bereits gemacht hab, kontrolliert wichtige Befunde und gemeinsam schließen wir die Untersuchung ab.

Meinen ersten Patienten kenne ich schon. Er war vor zwei Wochen bereits wegen Bauchschmerzen da. Wir hatten damals auch eine Blutabnahme gemacht, um sein PSA, das prostataspezifische Antigen, zu bestimmen. Im MRT war eine vergrößerte Prostata aufgefallen. Das PSA wird als organspezifischer Tumormarker in der Diagnostik des Prostatakrebses eingesetzt. Wir konnten dem Patienten glücklicherweise mitteilen, dass der Wert keinen Hinweis auf Krebs liefert. Außerdem erzählte mir der Patient, dass er und seine Frau die letzten Tage erkältet gewesen wären. Daraufhin hörte ich ihn ab und habe eine verlängerte Ausatmung feststellen können. Dass dieser Befund von meiner Ärztin bestätigt wurde, hat mich sehr gefreut und mir das Gefühl gegeben, dass sich meine klinischen Fähigkeiten innerhalb der letzten vier Wochen wirklich verbessert haben.

Unter anderem durfte ich heute drei Impfungen verabreichen und auch selbst anmischen, eine weitere Fähigkeit, die ich in der Famulatur erlernen durfte.

Besonders gefreut habe ich mich aber wieder auf den Ultraschall, der mittlerweile zu meiner Lieblingsuntersuchung geworden ist. Es ist so interessant, zu sehen, wie unterschiedlich jeder Mensch aufgebaut ist, und jede klare Sicht auf ein Organ ist für mich ein kleines Erfolgserlebnis.

Dieses Mal kam eine Frau zur Hämangiom-Kontrolle, ein gutartiger Tumor eines Blutgefäßes, auch genannt Blutschwamm, an der Leber. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich eigenständig das Hämangiom an der Leber gefunden und direkt erkannt und ausgemessen habe. Auch ihre Nierenbeckenstenose konnte ich im Ultraschall gut erkennen. Während des Sonos wird mir immer wieder bewusst, wie viel ich in den letzten vier Wochen gelernt habe und wie steil doch meine Lernkurve war. Da ich in meiner Bewerbung angegeben hatte, dass ich besonders gerne meine Fähigkeiten im Ultraschall verbessern würde, bin ich total glücklich darüber, dass ich in meiner zugeteilten Praxis jeden Tag bis zu fünf Mal Ultraschall üben darf. Das durfte ich auch bei der nächsten Patientin mit Bauchschmerzen noch einmal tun.

Zum Ende des Tages durfte ich noch drei Wundversorgungen durchführen. Die letzten zwei Patient*innen waren eine Frau und ihr älterer Vater. Ich habe mich sehr gefreut, die beiden nochmal zu sehen, da ich sie über die letzten vier Wochen mehrmals die Woche behandelt habe. Da die Patientin nun doch ins Krankenhaus für eine Behandlung geht, konnten wir uns verabschieden und wie so oft hat sie aus Dankbarkeit heraus etwas für unser Team dagelassen. Diesmal war es Capri-Sonne, Leberkässemmeln und ein Osternest. Für mich war das perfekt, da ich auf unserer langen Fahrt zum Teaching in Regen genau dieses Mittagessen genießen durfte. 

Dort hatten wir heute unser letztes Teaching, die Balint-Gruppe. Zusammen konnten wir in zwei Kleingruppen Situationen besprechen, in denen wir uns unsicher oder unwohl gefühlt haben. Ein ernstes Thema, das viel Mut erfordert, vor Menschen, die man erst seit vier Wochen kennt, so offen zu sein. Ich denke, das Teaching hat uns allen gezeigt, wie wichtig es in Zukunft für uns als Ärzt*innen ist, sich mit anderen Leuten über belastende Situationen auszutauschen, anstatt seine Emotionen einfach runterzuschlucken.

Nach dem lehrreichen Teaching haben wir uns auf den Weg nach Viechtach gemacht. Dort verabschiedeten wir einen unserer Organisatoren, Wolfgang. Jeder hatte ein Bier aus seiner Heimat als Geschenk mitgebracht, sodass er sich einmal quer durchprobieren kann. Wolfgang hingegen hatte einen Special Guest dabei: Paddington, seine kuschelbedürftige Hündin. Wolfgang hat eine sehr nette und motivierende Rede vorbereitet und wir bedankten uns noch einmal herzlich bei ihm für das tolle Programm der letzten vier Wochen. Gemeinsam mit den Viechtachern haben wir den Abend mit selbstgemachten Wraps ausklingen lassen. Unsere Heimfahrt nach diesem langen Tag verlief eher ruhig, da wir alle ein bisschen fertig waren und wir ließen die Musik aus den Lautsprechern auf uns wirken. Zu Hause fielen wir müde ins Bett, um noch genug Energie für die letzten Tage unserer Famulatur zu sammeln.

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