Exzellenter Winter Tagebuch
Freitag, 09.10.2026
Am letzten Tag meiner Famulatur standen wir wie immer um 6:15 Uhr auf, damit alle rechtzeitig ins Badezimmer kamen. Pünktlich um 7:00 Uhr fuhren wir zu viert los, um alle in ihre Praxen zu bringen. Schon am Vorabend hatten wir zum Abschied fleißig Kuchen gebacken und Dankeskarten geschrieben. Da in unserer Praxis in Aldersbach an guten Tagen über 20 Menschen arbeiten, hatten wir beschlossen, ein Frühstücksbuffet auszurichten.
Zuerst setzten wir die beiden Famulant*innen in Ortenburg ab, dann ging es noch 20 Minuten weiter nach Aldersbach. Dort mussten wir leider feststellen, dass der Edeka unseres Vertrauens erst um 8:00 Uhr öffnet. Nach längerem Suchen fanden wir aber einen Supermarkt und einen Bäcker, die schon geöffnet hatten. In der Praxis bauten wir das Frühstück am großen Tisch im Aufenthaltsraum auf und legten unsere Dankeskarten mit dem Gruppenfoto aller Projektteilnehmer*innen dazu.
Kurz nach 8:00 Uhr begann, inzwischen umgezogen, unser letzter Arbeitstag. Die ersten beiden Stunden begleitete ich die Sprechstunde eher passiv: viel zuhören, viel nachfragen, selbst nachuntersuchen. Weil es im Labor einen Engpass gab, half ich danach dort mit Blutentnahmen und Impfungen aus. Anschließend übernahm ich eigene Patient*innen, mit Anamnese, körperlicher Untersuchung und Funktionsdiagnostik. An diesem Tag schien Lungenfunktionstag zu sein: Gleich vier Patient*innen kamen hintereinander. Erfreulicherweise hatte ich nach dem Monat eine gute Routine entwickelt und viel Spaß an diesen Aufgaben. Lustigerweise hatte eine Patientin dieselbe Schule besucht wie ich, in einer kleinen Stadt in Niederösterreich. Daraus entwickelte sich neben den Untersuchungen ein schönes Gespräch, und es fühlte sich ein bisschen an wie zehn Minuten Heimaturlaub.
In der Mittagspause um 12:00 Uhr bekamen wir von der Praxisinhaberin unser Feedback für den Monat. Ich habe mich sehr darüber gefreut, wie genau meine Arbeit in der Praxis beobachtet worden war. Das Feedback enthielt offensichtlich die Eindrücke vieler verschiedener Kolleg*innen, und genau das machte es so persönlich und wahnsinnig wertvoll.
Zum Abschluss hatte die Praxis noch eine kleine Verabschiedung für uns vorbereitet. Nach Praxisschluss um 14:30 Uhr versammelten sich alle im Aufenthaltsraum, um mit einem Glas Sekt anzustoßen. Man dankte uns für die schöne Zeit und unsere Mitarbeit, und auch wir bedankten uns noch einmal persönlich bei allen für die liebevolle Begleitung durch den Monat. Zum Schluss bekamen wir einen Geschenkkorb und verabschiedeten uns herzlich.
Um 16:00 Uhr waren wir zurück in unserer Unterkunft in Bad Griesbach, und das große Packen und Aufräumen begann. Die Abschlussveranstaltung war für 17:30 Uhr in Grafenau angesetzt, eineinhalb Stunden Fahrt entfernt. Es wurde ein Rennen gegen die Zeit, das wir am Ende leider verloren. In Grafenau durften wir netterweise auf dem Parkplatz einer Anwohnerin parken, denn bei 40 Personen waren die Plätze vor der Unterkunft längst belegt. Wir überreichten unsere Geschenke an die Organisator*innen des Projekts, Dr. Wolfgang Blank und Elisabeth Achatz, und stellten uns für ein letztes Gruppenfoto auf. Danach stießen wir gemeinsam auf die schöne Zeit an und ließen den Abend gesellig ausklingen.
Der Monat ist wie im Flug vergangen. Es war eine äußerst ereignisreiche Zeit mit vielen langen Tagen. In diesen intensiven Wochen habe ich unglaublich viel erlebt und eine Menge für meine spätere Tätigkeit gelernt. Wer weiß, vielleicht komme ich ja irgendwann zurück.
Der letzte Tag bei den LandArztMachern …irgendwie war es schwer zu glauben, dass die Zeit schon wieder vorbei sein sollte. Morgens ging es für mich noch einmal in die Praxis. Die Abläufe waren inzwischen vertraut, und gerade deshalb war es ein komisches Gefühl, zu wissen: Heute bin ich zum letzten Mal hier. Zwischen den letzten Patientenkontakten und dem Abschiednehmen lagen ganz viele gemischte Gefühle, die wohl zu jedem schönen Ende dazugehören: dankbar für die Zeit, aber noch nicht so richtig bereit zu gehen.
Ganz ohne Abschiedsgeschenke konnte ich mich natürlich nicht verabschieden.
Die tote Pflanze in der Praxis hatte endgültig ausgedient und wurde von mir durch eine neue ersetzt – ein kleines bisschen frisches Grün als bleibende Erinnerung. Für meine Ärztin (eine leidenschaftliche Reiterin) gab es unter anderem einen großen Sack Karotten für ihr Pferd. Laut ihr war das „das beste Famulantengeschenk ever“. Ich würde sagen: Geschenkmission erfolgreich abgeschlossen.
Zwischen all dem Abschiednehmen stand auch noch eine letzte Gemeinschaftsaktion an: das Haus putzen. Und wir haben geschrubbt, als gäbe es dafür am Ende ein Zertifikat. Es wurde gewischt, gesaugt und aufgeräumt, bis kaum noch etwas an das gemeinsame Chaos der letzten Tage erinnerte.
Abends haben wir unseren letzten gemeinsamen Tag mit einer großen Party ausklingen lassen. Wir haben gelacht, geredet und die gemeinsame Zeit noch einmal Revue passieren lassen. Zwischendurch bekamen wir sogar Besuch von einer kleinen Katze, die sich vermutlich nicht hätte träumen lassen, auf einer Abschiedsfeier voller Medizinstudierender zu landen– eigentlich war sie aber der heimliche Mittelpunkt des Abends.
Je später es wurde, desto näher rückte dann allerdings auch der Moment, den wir wahrscheinlich alle gern noch ein bisschen hinausgezögert hätten. Es wurde sich viel gedrückt, und irgendwann flossen auch die Tränen. Zwischen „Wir sehen uns auf jeden Fall wieder“ und „Melde dich, wenn du gut angekommen bist“ wurde noch einmal deutlich, wie sehr wir in dieser Zeit zusammengewachsen waren. Aus einer Gruppe von Menschen, die sich vorher kaum kannten, sind enge Freundschaften geworden und es wurden (hoffentlich) bleibende Verbindungen geknüpft.
Am Ende blieb vor allem ganz viel Dankbarkeit und natürlich der Abschiedshonig (danke an Wolfgang und Elisabeth): für die Einblicke in die Landmedizin, für die Menschen in der Praxis und für all die Begegnungen und gemeinsamen Erlebnisse drumherum. Der Abschied fiel schwer – aber vielleicht ist genau das das schönste Zeichen dafür, wie gut die Zeit war. Und irgendwo knabbert jetzt hoffentlich ein Pferd zufrieden an meinen Abschiedskarotten.

