Exzellenter Winter Tagebuch
Samstag, 10.10.2026
7 Uhr. Der Wecker klingelt. Das Zimmer wacht auf und es folgt die ernüchternde Erkenntnis, dass es nun vorbei ist. Abreisetag… Es gibt diese Menschen im Haus, die sich den Tag vorher schon mit dem Packen beschäftigt haben und direkt losfahren können. Ich gehöre nicht zu diesen Menschen und muss mich schleunigst darum kümmern, all meine Sachen in meinen armen Koffer zu drücken. Es gelingt besser als gedacht und ich bin bereit für die letzte Dusche vor der langen Fahrt. Ich klappere die Bäder ab. Alle sind sie besetzt. Was vier Wochen lang aufgrund von sehr unterschiedlichen morgendlichen Abfahrtszeiten wunderbar geklappt hat, wird nun zum Problem. Ich ändere meinen Plan, gehe nach unten und helfe durch mein Frühstück dabei, die letzten Kühlschrankreste zu vernichten. Und ja, ein wenig überdramatisch, aber ich nerve alle mit traurigen Abschiedssongs aus meiner Musikbox…Meine Dusche habe ich im Anschluss auch noch bekommen, sodass wir uns alle kurz vor Ankunft der Vermieterin vor den Autos treffen und verabschieden können.
Die vollgepackten Autos waren mein persönliches Tageshighlight. Wie alle Teilnehmer und vor allem die Autos es geschafft haben, unversehrt zuhause anzukommen, ist mir ein Rätsel. Für mich ging es ganze 7.5 Stunden mit zwei weiteren Teilnehmenden des Projekts nach Aachen. Besonders viel geredet wurde nicht. Zu erschöpft waren wir. Dafür gab es sehr schiefe und taktlose Gesangseinlagen und einen sehr wichtigen Stopp bei einer bekannten US-amerikanischen Burgerrestaurantkette. Wir alle waren uns einig, dass wir uns glücklich schätzen können, Teil dieses tollen Projektes gewesen zu sein. Allerdings waren wir uns auch einig darüber, dass unsere soziale Energie nach 4 Wochen mit 14 Menschen unter einem Dach und kaum Privatsphäre, nahezu aufgebraucht ist und wir uns auf zu Hause freuen. Der Gedanke daran, alleine Zeit zuhause verbringen zu können und dabei gutes WLAN genießen zu können, begeisterte uns.
Angekommen in Aachen hatte ich das Glück, meine ehemaligen Klassenkameraden aus meiner Ausbildung vor dem Studium treffen zu können. Ich berichtete ausführlich von dem Projekt. Keiner hatte je zuvor davon gehört, aber alle fanden die Idee super, auch mal das Berufsleben auf dem Land kennenzulernen.
Ich werde sicherlich noch etwas Zeit brauchen, um all das Erlebte aus dem Projekt zu verarbeiten und meine persönlichen Schlüsse daraus ziehen zu können. Ich weiß allerdings, dass ich unglaublich froh darüber bin, mich für dieses Projekt entschieden zu haben. Ich hatte eine sehr lehrreiche und schöne Zeit, sowohl in meiner Praxis, als auch in der Unterkunft und habe mein Interesse an der Allgemeinmedizin weiterhin verstärken können. Der Landkreis ist wunderschön und ich habe ein gutes Verständnis dafür aufbauen können, wie sich die ärztliche Versorgung auf dem Land von der in der Stadt unterscheidet. Vielen herzlichen Dank dafür, dass ich Teil dieses Projekts sein durfte.


