Exzellenter Winter Tagebuch
Mittwoch, 26.03.25
Nach einem ereignisreichen Vormittag in der Praxis hatten wir die einmalige Gelegenheit mit der auf Psychoanalyse spezialisierten Psychaterin Dr. Lippmann, welche mit Imagination und Eyemovement Desensitizitation and Reprocessing arbeitet, das für uns als zukünftige Landärzte sehr wichtige Thema Depression und Psychosomatik zu beleuchten. Gerade in Deutschland, wo 25 bis 30 Prozent der BewohnerInnen unter einer behandlungsbedürftigen Depression oder einer anderen psychischen Erkrankung leiden, war es für uns faszinierend, über die Leitlinie hinaus, Fälle zu besprechen, die wir in unseren Praxen mitbetreuen durften. Sehr wertvoll waren für uns praktisches Handwerkzeug für schwierige Gesprächssituationen. So lernten wir, wie man auf dem Prinzip des shared decision makings den Patienten bzw. die Patientin, dabei unterstützt die psychotherapeuthische Hilfe zu bekommen, die er oder sie benötigt. Darüber hinaus übten wir die Gesprächsführung mit klassischen erstvorstellig werdenden depressiven PatientInnen und evaluierten in Feedbackrunden das angewandte Wissen aus Leitlinie und Teaching.
Auch konkrete Fragestellungen zur Kompetenzverteilung bei psychisch erkrankten konnten beantwortet werden und auch ethische Diskussionen wie z.B. bezüglich des freien Willens eines psychisch erkrankten Patienten fanden ihren Platz.
Nach einem faszinierenden Teaching und anschließendem Kaffee und Kuchen ging es für uns von Gut Schwarz`n Hof wieder nach Hause.
Nach einer gemeinsamen Runde Joggen vom Hof aus durch eine der schönsten Landschaften Deutschlands ging es für die StudentInnen aus Haus Gut Schwarz`n Hof zum gemeinsamen Abendessen mit unserem Wolfgang und den PraxisärztInnen. Eingeladen wurden wir vom Landkreis Passau, der durch die stellvertretende Landrätin, Bürgermeister und der für uns zuständigen Gesundheitsregion plus Managerin Lisa Fraunhofer an dem Abend vertreten wurden. Besonders schön war es, sich in einer entspannten Atmosphäre mit den Ärzten zu unterhalten und sich dadurch besser kennenzulernen. Neben wertvollen Tipps für die Karriere kam natürlich auch der interdisziplinäre Austausch zwischen Orthopäden, Allgemeinmedizinern und Pädiatern nicht zu kurz und es wurde auch leidenschaftlich diskutiert.
Als Wolfgang Blank beim Vorbereitungstreffen schwärmte, dass die Umgebung auf jeder Autofahrt anders aussähe, dachte ich das sei absolut überzogenes Marketing. Aber nach zwei Wochen und mehreren hundert Kilometern im Auto muss ich ihm recht geben. Heute sieht man zum Beispiel absolut … NICHTS außer sehr dichtem Nebel, weshalb wir uns die Fahrt mit unsrer Neuen Hymne „Patience“ von der Bergdoktor versüßen.
In der Praxis angekommen schließe ich mich einer der 6 Ärzt*innen an. Wir gucken uns gemeinsam die Wartezimmerliste an und suchen einen Patienten raus, den ich schon mal alleine angucken kann. Ich gehe also zu ihm ins Sprechstundenzimmer und beginne mit der Anamnese. Er hat Schmerzen in den Fingergelenken, die bis in den Ellbogen ausstrahlen. Zu meinem Glück hatten wir gestern einen exzellenten Ortho-Untersuchungskurs, weshalb ich jetzt natürlich genau weiß was zu tun ist… naja, zumindest so halb. Nach ein paar Minuten kommt die Ärztin dazu und fragt mich, was ich alles rausgefunden habe. Ich tippe auf Gichtanfall oder Arthrose. Nach zwei im Nachhinein total offensichtlichen Fragen und einem geübten Griff aufs Handgelenk steht ihre Diagnose fest: Arthrose und Karpaltunnelsyndrom. Wir besprechen die Therapie mit dem Patienten und suchen uns die nächste Patientin für mich. So spreche ich an diesem Vormittag unter Anderem mit einem Patienten mit Durchschlafstörungen, bespreche die Laborergebnisse einer Patientin mit Schilddrüsenunterfunktion, führe eine Hautkrebsvorgsorge durch und erkenne eine Mittelohrentzündung mit Nasennebenhöhlenentzündung – immer unter Rücksprache mit meiner Ärztin.
Da die Sprechstunde heute relativ ruhig ist, suche ich auch bei den anderen Ärzten nach interessanten Aufgaben: Im kleinen OP, wo die Wundversorgung stattfindet und kleine chirurgische Eingriffe durchgeführt werden, darf ich schon mal die Lokalanästhesie für eine Warzenentfernung spritzen und danach assistieren. Dann entdecke ich eine Patientin, die auf ihr Schilddrüsensono wartet und fang einfach schon mal damit an. Vor zwei Wochen habe ich noch die Schilddrüse mit dem falschen Schallkopf gesucht (natürlich nichts gefunden) aber mittlerweile klappt’s eigentlich ganz gut. Ich finde sogar die vielen Knötchen, die die Patientin wegen ihres Hashimoto hat. Danach werde ich zu einem weiteren Sono geschickt und ohne Infos auf den Patienten losgelassen. Tatsächlich finde ich einen Stent in der Leber und der Patient erklärt mir, dass es sich dabei um einen transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunt (TIPS) zur Umgehung der Leber bei Leberzirrhose handelt. Damit endet der Praxisvormittqg und es geht nach einem sehr kurzen Zwischenstopp Zuhause zum Teaching „Depressionen“.
Dabei sprechen wir mit einer Neurologin über unsere Erfahrungen und Herausforderungen im Umgang mit psychisch kranken Patient*innen.
Direkt im Anschluss treffen wir uns mit allen Studierenden aus dem Landkreis Cham in der Klostermühle Altenmarkt. In dieser alten Wassermühle hat ein Ehepaar über 30 Jahre einen lokalen Veranstaltungsort und Zentrum für regionale Lebensmittelverarbeitung aufgebaut. Die Hausherrin zeigt uns den Klostergarten, in dem die Zutaten für Marmelade, Säfte und Sauerkraut wachsen. Im Lagerraum wird das angebaute Gemüse zwischengelagert, bevor es im Laden mit anderen regionalen Produkten verkauft wird. Nach der Führung treffen wir uns mit den betreuenden Ärzt*innen in der guten Stube zum traditionell oberbayerischen Abendessen mit Kartoffeln in allen Formen und Farben mit diversen Dips. Die Gespräche mit den Ärzt*innen, die gekommen sind, sind überraschend ungezwungen und unterhaltsam. So endet der Tag mit intergeneratioalem Austausch und vollgeschlagenen Bäuchen.