Exzellenter Winter Tagebuch
Dienstag, 25.03.25
Verschlafen und hektisch begegnen wir uns heute früh erstaunlich routiniert in der Küche, auf der Suche nach warmem Kaffee. Die Brot- und Müslivorräte neigen sich langsam dem Ende zu. Schockierend schnell ist es Zeit für die Abfahrt, und wir stolpern in unsere Autos. Schockierend schnell ist auch die Abfahrt. Wie immer halte ich meine Kotztüte parat für die kurvige Fahrt.
Kurz vor 8 Uhr in der Praxis angekommen, renne ich den Ärzt:innen hinterher, die bereits das dritte Kind des Tages behandeln. Beim ersten Kind, das ich mir heute anschaue, entdecke ich ganz überrascht kleine blaue Kreise in den Ohren, die sich als Paukenröhrchen herausstellen. Außerdem erkenne ich im Laufe des Tages ein Virusexanthem bei AWI und lasse den kleinen Patienten zur Belohnung für seine tolle Mitarbeit in die Schatzkiste greifen. Er entscheidet sich für einen Luftballon. Mein meist gesgater Satz heute war: „Bitte öffne deinen Mund – nein, nicht auf dem Stäbchen herumkauen!“
Das Schöne an meiner Praxis ist, dass viel Diagnostik, für die sonst ein Labor benötigt wird, direkt vor Ort stattfindet. Das ermöglicht einen ganz anderen Blick auf die direkt Therapiekonsequenz.
Um 12 Uhr packe ich meine Sachen und treffe die anderen zur Mittagspause im Café. Wir trinken Espresso und Schorle und unterhalten uns über unser aktuelles Strickprojekt. Gut gelaunt laufen wir zur Rehaklinik in Bad Kötzting zu unserem heutigen Teaching in Orthopädie. Hier wird uns ausführlich erklärt und demonstriert, wie man Wirbelsäule, Schulter-, Knie- und Hüftgelenk untersucht, was wir gleich an uns selbst ausprobieren.
Gegen 18 Uhr kommen wir nach Hause, backen schnell einen Rüblikuchen für das morgige Teaching und spielen Kartenspiele, während er im Ofen steht. Das Abendessen geht heute schnell, denn es gibt ein Reste-Festmahl. Nach dem Essen lassen wir den Tag in üblicher munterer Runde beim Kartenspielen ausklingen. Nachdem die Diskussionen über die genauen Formulierungen für diesen Eintrag geklärt sind, schicke ich ihn jetzt ab und spiele weiter Karten, in der Hoffnung, dass sich gleich noch ein Massagekreis bildet.
Den zweiten Tag dieser Woche begann ich ganz in Ruhe mit einem Käffchen in der Küche, bevor ich meinen Helm aufsetzte und mit dem geliehenen E-Bike runter ins Städtchen fuhr. In der Praxis angekommen brauchte ich all meine Überredungskünste, um meine kleinen Patient*innen davon zu überzeugen, mit mir Ball zu spielen oder den Mund aufzumachen. Nach einem interessanten Ultraschall von einem kleinen Bauch, unzähligen Infekten und einer doch eher ungewöhnlichen Nekrose, die wir versorgten, schwang ich mich schnell wieder aufs „Radl“ und genoss die Mittagspause in der Sonne auf dem Balkon. Gemeinsam machten wir uns schließlich auf den Weg nach Schaufling in die wunderschöne Reha-Klinik, um einander Blockaden zu diagnostizieren und diese dann mehr oder weniger erfolgreich wieder zu lösen. Mit unserem geschulten Blick durften wir dann echten Patient*innen beim Laufen zuschauen und so die wichtigsten Diagnosen nochmal anschauen.
Gestärkt von Kaffee und Kuchen sowie nach dem obligatorischen Gruppenfoto vor der Klinik machten wir uns direkt auf zum Essen mit der stellvertretenden Landrätin und einigen weiteren wichtigen Leuten. Jeglicher Geschmack wurde befriedigt von Zwiebelrostbraten, Thai-Curry, Pizza sowie leckeren Bowls, abgerundet von warmem Schokokuchen und Aperol. Wie immer machten wir unserem Haus alle Ehre und führten bei vorzüglichem Essen rege Gespräche, gerne auch mal über den Tisch hinweg. Um 22:30 Uhr flitzten wir nach Hause, um in unsere Betten zu fallen und wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu bekommen.