Exzellenter Winter Tagebuch
Donnerstag, 20.03.25
6:30 Uhr – Der Wecker klingelt: mein Gott, bin ich müde! Die ersten Minuten des Tages verlaufen wie im Halbschlaf, aber nach einem kurzen gemeinsamen Frühstück – das wegen der frühen Stunde eher still und zurückhaltend ausfällt – kommen wir allmählich in Schwung. Die ersten vier verlassen das Haus und wir drei genießen noch ein paar ruhige Minuten, bevor es auch für uns losgeht. 20 Minuten lang cruisen wir durch den Wald, der uns wie eine kleine Mariokart-Strecke vorkommt, auf dem Weg zu unseren Praxen. Kaum angekommen, sehe ich schon die ersten PatientInnen geduldig vor der Tür warten. Drinnen werde ich von meiner Hausärztin Gerdi und ihren Arzthelferinnen herzlich begrüßt – und die Sprechstunde nimmt ihren Lauf.
Auskultieren, Anamnese und Blutabnehmen gehören wie gewohnt zum Alltag, doch heute gibt es drei besondere Momente, die den Tag einzigartig machen:
10:00 Uhr – Ein Notfall-Hausbesuch: Ein Patient, der trotz zwei Antibiotika weiterhin starkes Fieber hat, ruft in der Praxis an. Er berichtet, dass es ihm so schlecht geht, dass er es nicht mehr schafft, selbst zu uns zu kommen. Bereits letzte Woche hatten wir ihn ins Krankenhaus geschickt, doch seine Verfassung hat sich weiter verschlechtert. Ohne zu zögern, kennt meine Hausärztin den Weg zu seinem Haus aus dem Kopf. Vor Ort untersuchen wir den Patienten und stellen schnell fest, dass wir hier nicht länger abwarten können – wir rufen den Krankenwagen (den „Sanker“), der den fiebernden, kurzatmigen Patienten ins Krankenhaus bringt.
10:45 Uhr – Zurück in der Praxis: hier erwartet uns ein Patient mit stark sichtbarem Aszites, sowohl von außen als auch auf dem Ultraschall, fällt schnell die Entscheidung, ihn ebenfalls ins Krankenhaus einzuweisen. Die Sono war für mich eine Herausforderung – es gab so viele Überlagerungen, dass meine Hausärztin schließlich den Schallkopf übernahm, um ein klareres Bild zu bekommen.
Der Kontrast könnte nicht größer sein, als wir danach ins Sprechzimmer 1 gehen: Dort treffen wir auf eine Patientin, die familiär schwer belastet ist. Sie öffnet sich uns und teilt viele ihrer Gedanken und Sorgen. Die Atmosphäre ist spürbar anders – hier geht es nicht nur um Medizin, sondern um Empathie, Zuhören und Dasein.
Der heutige Tag fässt einige der wichtigsten Lektionen meines bisherigen Praktikums zusammen: Kenne deine medizinischen Grenzen. Hole dir Hilfe, wenn du ein schlechtes Bauchgefühl hast und sei dir immer bewusst, dass du nie genau wissen kannst, was im Zuhause deiner PatientInnen wirklich vor sich geht.
Nach der Sprechstunde fahren wir nach Hause und genießen ein schnelles Essen – Nudeln mit Pesto – draußen auf der Terrasse, während wir über die Erlebnisse des Tages erzählen. Ich backe schnell einen Kuchen für die Praxis morgen, bevor es weitergeht zum Nahtkurs nach Cham.
Erneut fahren wir etwa 20 Minuten, begleitet von guter Musik. Im Kurs selbst wird fleißig geschnippelt und genäht – diesmal an Schweinefüßen. Es ist eine willkommene Wiederholung und Ergänzung zu dem Nahtkurs, den ich bereits an der Uni besucht habe. Ich hoffe nur, dass die Knoten diesmal wirklich im Gedächtnis bleiben…
Nach und während der praktischen Übung gibt es noch eine kleine Stärkung, – Kekse und Pizzaschnecken – bevor sich eine spontane Gruppe zusammenfindet, um noch ins Hallenbad zu fahren.
Zuhause werde ich bereits von den anderen mit selbst gemachten Burgern erwarten. Der Abend klingt entspannt aus: Während die anderen GNTM schauen, nehme ich mir die Zeit, mit meiner Mama und meiner besten Freundin zu telefonieren.
Und dann ist es auch schon fast geschafft – morgen ist endlich Freitag, und das Wochenende kann mit einer wohlverdienten Portion Mittagsschlaf eingeläutet werden.