Exzellenter Winter Tagebuch
Dienstag, 18.03.2025
Sonnenschein, EKGs und Chilli
Heute Morgen empfing uns der Bayerische Wald mit seinem besten Instagram-Wetter: strahlend blauer Himmel, ein bisschen frische Landluft – und irgendwo bestimmt eine Kuh, die uns neugierig anglotzte. Perfekte Bedingungen, um hochmotiviert in den Praxisalltag zu starten!
Der Vormittag lief routiniert: Check-ups, Blutabnahmen und ein Schwung grippaler Infekte. Danach stand unser EKG-Teaching auf dem Programm, wo wir uns durch Zacken und Wellen kämpften. „Ist das noch Sinusrhythmus oder schon ein moderner Picasso?“ – manchmal gar nicht so leicht zu sagen. Aber Übung macht bekanntlich den Meister!
Am Abend wurde es dann richtig gesellig. Unser zuständiger Regionalmanager der Gesundheitsregion plus war am Start, und von der Apo Bank gab’s eine kleine Einführung in die Welt der Praxisfinanzierung. Fazit: Eine Praxisgründung kann anfänglich einen höheren Puls verursachen als so manches Vorhofflimmern. Aber die wichtigste Erkenntnis des Abends: Chilli sin Carne schmeckt in guter Gesellschaft doppelt so gut!
Der siebte Tag unserer Famulatur im Bayrischen Wald bricht an. Als am Morgen um halb sieben mein Wecker klingelt, weiß ich noch nicht, wie ereignisreich der kommende Tag werden wird…
Weil ich etwas zu früh in meiner Praxis bin, darf ich zunächst die Arzthelferinnen beim Blutabnehmen und einer Hyposensibilisierung begleiten. Dabei fällt mir wieder einmal auf, wie sehr die reibungslosen Abläufe in der Praxis auf der Arbeit der MFAs bauen. Dann kommt mein Arzt, und ich darf gleich beim ersten Patienten selbstständig einen Ultraschall des Abdomens zur Anämieabklärung durchführen. Da ich in der Woche zuvor bei unserem Sonokurs zum ersten Mal einen Schallkopf in der Hand gehalten habe, bin ich einerseits stolz darauf, die meisten Organe bereits finden zu können (wo sich die Bauchspeicheldrüse versteckt, bleibt mir aber nach wie vor ein Rätsel…), aber auch dankbar, dass der Arzt anschließend selbst noch einmal schallt und sich dabei Zeit nimmt, mir die Schnitte und Strukturen zu erklären. Der Vormittag bleibt spannend: Ich darf ein Anamnesegespräch führen, EKGs befunden und Patienten kardiologisch sowie neurologisch untersuchen. Dann stellt sich ein Patient mit einer Coxarthrose und ein weiterer mit Gonarthrose vor, anhand derer mir mein Arzt die Grundlagen der orthopädischen Untersuchung zeigt, die ich danach gleich üben darf.
Nach diesem sehr lehrreichen Vormittag geht es für uns wieder zurück nach Waldmünchen. Als wir für das Mittagessen unsere Vorräte inspizieren, die wir aus Platzmangel auf der Terrasse gelagert haben, fällt uns auf, dass sich wohl einige pelzige Freunde aus dem benachbarten Wald daran bedient haben… Ich rühre schnell noch einen Teig für einen Heidelbeerkuchen zusammen, schließlich bin ich für die Organisation des morgigen Teachings verantwortlich, die selbstverständlich auch (oder vor allem?) das leibliche Wohl der Teilnehmer beinhaltet. Kaum ist der Kuchen fertig gebacken, müssen wir auch schon wieder eilends ins Auto springen. Für uns geht es nach Cham, wo wir beim EKG-Kurs anhand von Fallbeispielen und selbst mitgebrachten EKGs aus unseren Praxen das korrekte Befunden von EKGs üben. Dazu gibt es leckere Brownies und Laugengebäck, sowie Kaffee im Überfluss. Nach dem Teaching beschließen wir, noch für eine Stunde das örtliche Hallenbad in Cham zu besuchen. Die Runde Schwimmen tut nach dem anstrengenden Tag wirklich gut, und wir verlassen das Schwimmbad zufrieden und voller Vorfreude auf das Abendessen. In Waldmünchen angekommen, sind wir überrascht, auf dem Parkplatz vor unserem Haus die Polizei anzutreffen. Von Neugierde getrieben, finden wir durch Detektivrecherche im Internet leider auch bald den Grund dafür heraus: In dem benachbarten Lokal tagt der lokale AfD-Stammtisch, und da wir nicht nur für unsere Famulatur, sondern auch unsere Demokratie 120% geben, ließ sich eventuell eine klitzekleine Protestaktion nicht vermeiden. Auch wenn uns dieses Erlebnis mit einem gewissen Gefühl der Beklemmung zurücklässt, lassen wir den Tag anschließend beim gemeinsamen Abendessen mit einem Glas Wein ausklingen, und begeben uns schließlich erschöpft, aber voller Vorfreude auf den kommenden Tag, ins Bett