Exzellenter Winter Tagebuch
Sonntag, 08.03.26
Eine unfassbar erlebnisreiche erste Woche neigt sich dem Ende zu. Zum ersten Mal klingelt morgens nicht der Wecker, und außer einer motivierten Laufgruppe schlafen die meisten aus. Aus Gewohnheit wache ich trotzdem schon um 8 Uhr auf und beschließe spontan, einen Spaziergang durch den Wald zu machen, der direkt vor unserer Haustür beginnt. Begleitet wird mein Spaziergang von Vogelgezwitscher und dem Duft von frisch gesprossenem Grün.
Eine Stunde später ist es schon trubelig im Haus: Der Duft der ersten Kanne Kaffee des Tages liegt in der Luft, und die Vorbereitungen für das gemeinsame Brunchen laufen bereits. Unter anderem stehen Shakshuka und Scrambled Tofu auf der Speisekarte. Ich stelle mich der Herausforderung, für 15 Menschen Pancakes zu machen. Mit etwas Verzögerung steht um kurz nach 11 Uhr alles auf den Tischen, und wir versammeln uns rund um die zwei Tische, die wir zu einem kleinen Bankett zusammengeschoben haben. Bei spannenden Gesprächen tauschen wir uns über die Woche aus, von den kniffligsten Patientenfällen über Fragen zum Teaching bis hin zur Planung der Freizeitaktivitäten der kommenden Tage ist alles dabei.
Um 12 Uhr holen einige von uns Fabi vom Bahnhof ab, wo er mit einem gemeinsam komponierten Lied empfangen wird. Für den heutigen Tag verabreden wir uns anschließend mit dem Haus Waldmünchen, um gemeinsam den Waldwipfelweg in Sankt Englmar zu besuchen.
Vor Ort beeindruckt uns ein Wipfelweg, der uns in einem Aussichtsturm bis zu 55 Meter über den Boden führt. Mit berauschenden Ausblicken bis hin zu den Alpen schreiten wir Stück für Stück in die Höhe. Für Patrick ist es mehr als nur ein schöner Ausblick, denn er hat sich vorgenommen, seiner Höhenangst mit einer Expositionstherapie entgegenzuwirken. Am Anfang noch zögerlich auf etwa 20 Metern Höhe traut er sich tapfer immer weiter den Turm hinauf.
Außerdem entscheidet sich etwa die Hälfte von uns, nicht den gewöhnlichen Weg zu gehen, sondern den, vermutlich für Kinder ausgelegten, Kletterweg bis an die Spitze zu nehmen. Über verschiedenste Hindernisse geht es in die Höhe, bis wir am höchsten Punkt zur größten Challenge für uns alle kommen: ein begehbares Netz, auf dem man frei auf den Wald weit unter unseren Füßen hinabschaut. Vorsichtige Schritte in schwindelerregender Höhe bringen uns anfänglich alle etwas ins Wanken, doch nach einer Weile stehen und liegen wir furchtlos auf dem Netz. Mit viel gutem Zuspruch und mentaler Unterstützung traut sich zum Schluss auch Patrick und stellt sich seiner Angst.
Mit diesem Erfolgserlebnis begeben wir uns wieder auf den Abstieg, diesmal nicht über den Kletterweg, sondern über zwei Rutschen, die uns geschwind wieder fast bis auf den Boden bringen. Unten angekommen gehen wir noch auf den Wildnispfad und lernen, verschiedene Vogelgeräusche sowie Bäume und Naturdüfte auseinanderzuhalten.
Nach ein paar gesammelten Kilometern verabschieden wir uns gegen 17 Uhr vom anderen Haus und treten unsere Heimreise an, diesmal begleitet von Eurovision-Liedern, da wir unsere gemeinsame Liebe zum ESC entdeckt haben. Zurück in Viechtach recherchiere ich noch schnell etwas zu all den Fragen, die bei mir im Laufe der ersten Famu-Woche aufgekommen sind. Den Tag lassen wir anschließend mit einem gemeinsamen Abendessen und, wie immer, ein paar Gesellschaftsspielen ausklingen.


