Exzellenter Winter Tagebuch
Montag, 02.03.26
Liebes Landarztmacher-Tagebuch,
heute morgen klingelte mein Wecker kurz nach 5:30 Uhr. Nach den kalten Nächten in den Nationalparkhütten, war die Wärme im Ferienhaus Gierl in Viechtach eine Wohltat. Geträumt habe ich von den vielen neuen Bekanntschaften, von denen viele schon nach den wenigen Tagen Freunde wurden und von der fantastischen Apfelstrudel mit Vanillesauce, mit welcher wir gestern Abend von unserer Vermieterin empfangen wurden!
Ein kurzes Frühstück später, saßen wir zu fünft im Auto und brausten zu wohltuender Blasmusik stilvoll durch den mystischen, nebligen Wald dem Sonnenaufgang entgegen. 50 Minuten und drei Stopps später, erreichte ich meine Praxis in Eschlkam. Dort wurde ich sehr herzlich vom gesamten Praxisteam rund um Dr. Dobler und Dr. Ettl empfangen. Schon wenige Minuten später, durfte ich meine erste Anamnese erheben und meine Befunde Dr. Ettl präsentieren. Gemeinsam wurde ein Therapievorschlag für die Patientin gefunden. Über den gesamten Vormittag verteilt, durfte ich das Team bei den unterschiedlichsten Krankheitsbildern begleiten: Internistische Erkrankungen, OP-Vorbereitungen, Notfälle, kleine chirurgische Eingriffe oder eine lehrbuchartige Gürtelrose waren nur einige der Konsultationen. Das besondere Highlight folgte um 11:00 Uhr da zu dieser Uhrzeit das gesamte Team eine kurze Kaffeepause macht und ich erstmals alle gemeinsam kennenlernen konnte. Nach einer Mittagspause ging es außer Haus mit einer Leichenschau und Hausbesuchen weiter.
Nach 17:30 Uhr brausten wir zu fünft der Abendsonne entgegen – diesmal mit vielen Erzählungen aus dem ersten Praxistag. Nach einem Großeinkauf in einem Supermarkt, gab es bunt gemischtes Ofengemüse mit Feta und einen kleinen Spieleabend mit viel fachlichem Austausch und Diskussionen über die ersten Patientenfälle des heutigen Tages.
Insgesamt ein toller Start in eine hoffentlich lehrreiche und spannende Famulaturzeit!
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„An was musste man noch bei Brustschmerz denken?“
„Was waren noch weitere Ursachen einer Sinustachykardie?“
Mit genau solchen Fragen verband ich meinen ersten Praxistag. Sie standen sinnbildlich für das, was diesen Tag so besonders machte: das ständige Mitdenken, Hinterfragen und Verknüpfen von Theorie und Praxis. Immer wieder hatte ich Aha-Momente, in denen ich dachte: Das habe ich doch in der Vorlesung gelernt! oder genau das habe ich erst vor Kurzem gelesen! Plötzlich wurde die Theorie lebendig.
Zurück zum Morgenbeginn: Das frühmorgendliche Programm mit Frühstück und den üblichen Vorbereitungen gab mir ein vertrautes Gefühl. Ein netter Austausch mit meiner Fahrgemeinschaftspartnerin während der Autofahrt über unseren bevorstehenden Praxisbeginn sorgte zusätzlich für einen gelungenen Start. Da wir am ersten Arbeitstag auf jeden Fall einen Parkplatz finden wollten, waren wir etwas früher vor Ort. In der Praxis wurde ich vom herzlichen MFA-Team empfangen. Mir wurde direkt gezeigt, wo ich mich umziehen konnte und noch bevor der Arzt eintraf, fühlte ich mich willkommen und gut aufgehoben.
Nach der Ankunft des Arztes folgte eine kurze Vorstellungsrunde, dann starteten wir in den Praxisalltag. Von da an wurde es durchgehend spannender. Es begann mit einem Gespräch zur HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP), gefolgt von einem akuten Fall mit Hörminderung und präaurikulärer Parästhesie. Hier wurde mir noch deutlicher, wie wichtig eine ausführliche Anamnese und eine gründliche neurologische Untersuchung für die Therapieentscheidungsfindung und das weitere Vorgehen sind. Die Sprechstunde wird abwechslungsreicher, sodass nach jedem Patientengespräch meine Fragen ernst genommen und ausführlich beantwortet wurden. Es war ein echter gegenseitiger Austausch auf Augenhöhe.
Zwischendurch bekam ich Laborbefunde zum Durchsehen: Was fiel mir auf? Was konnte hinter den pathologischen Werten stecken? Gemeinsam gingen wir einige Fälle durch. Die direkte Laborbesprechung mit den Patienten, verbunden mit Empfehlungen zur Lifestyle-Umstellung, zeigte mir noch, wie wichtig die Allgemeinmedizin als essenzielle Säule in der präventiven Patientenversorgung ist.
Von der Sonografie der Schilddrüse über das Duplex der Beingefäße bis zur Auswertung eines Langzeit-EKGs wurden mir „Bingbong-Fragen“ – kleine Wissensabfragen – gestellt, die mich aktiv ins Denken brachten und meine Vorbereitung auf strukturiertes Denken förderten.
Ein noch weiteres Highlight: Kurz vor der Mittagspause fragte mich der Arzt, ob ich nach Einverständnis des Patienten selbst die Anamnese und körperliche Untersuchung durchführen wolle, bevor er den Patienten übernahm. Natürlich war ich aufgeregt, aber gleichzeitig freute ich mich unglaublich, mein erstes eigenständiges Patientengespräch in der Praxis zu führen. Danach stellte ich den Patienten vor und wir besprachen den Fall gemeinsam.
Am Ende des Tages führten wir noch ein Gespräch darüber, was ich mir von der Zeit hier erwarte, wo ich mir Feedback wünsche und in welchen Bereichen ich mich gerne weiterentwickeln wollte. Diese Offenheit und die Möglichkeit zur konstruktiven Rückmeldung zeigten mir, wie wertvoll diese Zeit wird.
Nach Feierabend saßen meine Fahrgemeinschaftspartnerin und ich auf einer aussichtsreichen Treppe, blickten auf die Berge und in den halb versinkenden Sonnenschein. Begeistert tauschten wir uns über unseren ersten Tag aus. Nach einem kurzen Einkauf ging es zurück in die Unterkunft. Der Tag war noch nicht vorbei: Kochen stand an. Alles lief reibungslos und der große Topf bescherte uns einen gelungenen Abschluss mit weiterem Austausch, vielen lustigen Momenten und kleinen Teaching-Absprachen für die kommenden Tage.
Abschließend erschien mir das Bild auf dem Rückweg vom Sonnenuntergang über der idyllischen Landschaft wie ein Symbol für die Erweiterung meines Horizonts und meines Wissens während meiner Famulaturzeit hier.






