Exzellenter Winter Tagebuch
Mittwoch, 20.03.2024
Es kräht der Hahn,
Es muht die Kuh,
Es geht wie jeden Morgen bei uns zu!
Nach einer kurzen und belebenden warmen Dusche am frühen Morgen und einem Müsli sitze ich schon im Auto auf dem Weg zu meiner Praxis. Heute früh bin ich besonders gut gelaunt. Die Sonne scheint schon kräftig und glitzert bei unserer Fahrt durch den bayerischen Wald in den Baumwipfeln.
Nach 45 Minuten Autofahrt bei bester Musik starte ich den Praxistag entspannt mit einer Streicheleinheit für den Praxishund. Nach einer kurzen Teambesprechung startet dann die Sprechstunde. Immer wieder fällt mir die enge Beziehung zwischen Arzt und Patient auf, die Vorteile und Nachteile bietet. Als Arzt kann man seine Patienten nach einer langen gemeinsamen Zeit gut einschätzen und bekommt seitens der Patienten viel Vertrauen entgegengebracht, andererseits hat man eine noch größere Verantwortung für seine Patienten.
„Kommuniziere mit deinen Patient*innen auf Herzenshöhe“ war ein Tipp meiner Ärztin, den ich im Hinterkopf behalte. Aufgrund des unterschiedlichen medizinischen Wissens ist ein Gespräch auf Augenhöhe manchmal schwierig. Trotzdem sollte man jedem Patienten empathisch gegenübertreten, sozusagen auf Herzenshöhe.
Nach einigen Routine-Check-Ups folgt dann ein schwieriges Patientengespräch.
Wie vermittelt man einem langjährigen Patienten empathisch, aber trotzdem unmissverständlich, dass seine Krebserkrankung weiter fortschreitet? An der Uni lernt man Gesprächstechniken und übt an Schauspielpatienten, aber das ist nicht die wahre medizinische Welt. Deshalb war ich sehr dankbar, bei diesem Gespräch dabei gewesen sein zu dürfen und von meiner erfahrenen Ärztin lernen zu können. Als ich die Praxis nach dem Gespräch verließ, weil meine Fahrgemeinschaft schon auf mich wartete, floss mir dann doch eine Träne über die Wange. Ich möchte Ärztin werden, um Menschen zu helfen. Jedoch besteht das Helfen nicht immer in Heilung, sondern auch in der Ermöglichung eines guten Lebens bei einer bestehenden Krankheit. Ich finde palliative Medizin hat sehr schöne Seiten und ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Medizin, trotzdem muss ich noch lernen, die damit verbundenen Emotionen auf eine gesunde Art und Weise zu verarbeiten.
Auf unserer Fahrt nach Regen konnte ich mit meinen Mitbewohnern das Erlebte besprechen. Der gegenseitige Austausch bedeutet mir sehr viel, um mich selbst und die Situationen reflektieren zu können. Ein Zwischenstopp mit Kaffee und Kuchen brachte eine gute Erholung vor dem Teaching.
Angekommen in Regen konnten wir noch gar nicht richtig begreifen, dass unserer letztes Teaching bevorstand. Natürlich freut man sich auch wieder auf das gewohnte eigene Zuhause, aber die Zeit ging sehr schnell vorbei und man ist in der kurzen Zeit fest zusammengewachsen. Das Gemeinschaftsgefühl spiegelte sich auch während der Balint-Gruppe wider. Wir reflektierten gemeinsam schwierige Arzt-Patienten-Konstellationen nach dem Schema von Michael Balint und waren positiv überrascht. So hilfreich hätten wir uns unsere erste Balint-Erfahrung nicht vorgestellt.
Am Ende nutzen wir das letzte Teaching mit unserem Dozenten für ein kurzes Resümee unserer Famulaturen. Auch wenn manche von uns bestätigt wurden, sich in Zukunft eher als angestellter Arzt im Krankenhaus zu sehen, nehmen wir alle positive Eindrücke und Erfahrungen mit nach Hause, wofür wir sehr dankbar sind.
Das Ende der Famulatur rückt schnell näher. Da Clara F. uns schon früher verlassen musste, gab es heute Morgen bei uns ein kleines Abschiedsfrühstück. Nach Kaffee und frischen Brötchen mussten wir uns schnell fertig machen, um noch rechtzeitig zur Praxis zu kommen.
Pünktlich um 8 Uhr geht es dann mit der ersten Untersuchung los. Bei unklaren Bauchschmerzen durfte ich den Patienten schallen. Den Nabelbruch habe ich natürlich nicht erkannt, aber dafür das Pankreas gefunden. Weiter ging es mit grippalen Infekten, Kreuzschmerzen und OP- Vorbereitungen. In der wohlverdienten Pause gab es von einer Patientin selbstgebackene Muffins und einen Tee. Pünktlich um 12 Uhr haben wir dann den Vormittag beendet.
In Osterhofen haben wir noch Clara G. und Amelie eingesammelt. Dann ging es zu viert nach Hause. Nach einem schnellen Mittagessen räumen wir noch kurz auf bevor unser Dozent für das allerletzte (und auch beste) Teaching kommt. In den drei Stunden haben wir besprochen, was eine Balint Gruppe ist, zusammen in einer Balint Gruppe einen Fall durchgesprochen und anschließend noch Strategien gesammelt, mit welchen man schwierige Situationen besser bewältigen kann.
Nachdem der Dozent gegangen ist fängt ein Teil von uns an zu kochen. Der Rest spielt entweder Tischkicker, treibt Sport oder liest. Nach einem schnellen, aber sehr leckeren Abendessen ging es dann nach Grafenau. Dort haben wir mit anderen Studenten aus den Projekt zusammen einen Spieleabend gemacht. Gegen 23 Uhr ging es wieder zurück nach Lalling und schnell ins Bett, um noch möglichst viel Schlaf für den morgigen Tag mitzunehmen.