Exzellenter Sommer Tagebuch
Schon zum letzten Mal klingelte der Wecker 6:00 Uhr morgens. Als ich aus dem Bad kam, erwartete mich Leonie mit großen Augen: „Clara, ich glaube, wir haben ein Problem“ und hielt mir ihren Covid-19-Schnelltest unter die Nase. Nachdem in den letzten Tagen auch im Haus Lalling ein paar kränkelten, haben wir jetzt auch unseren ersten Corona-Fall. Statt Frühstück haben sich erstmal alle getestet und wir konnten aufatmen – bis jetzt sind alle anderen sieben noch negativ und auch Leonie geht es nicht allzu schlecht. Nach kurzem Überlegen und Rücksprache mit unseren Arztpraxen stand der Plan fest: jeder packte als kleines Abschiedsgeschenk an die Praxis bzw die Station einen Apfelkuchen ein (gestern gab es hier eine kleine Produktionsstraße und das Rezept kennen wir mittlerweile alle auswendig).
Leonie und ich setzten uns mit FFP2-Masken ins Auto und sie brachte mich in meine Hausarztpraxis in Eging am See. Trotz allem genossen wir die letzte Fahrt über die bayrischen Landstraßen, die noch in Nebel gehüllten Dörfer und die vereinzelten Sonnenstrahlen, die langsam hinter den Baumwipfeln hervorkamen.
In meiner Praxis angekommen, erwartete mich schon Dr. Stamm. Da auch bei mir langsam etwas Halskratzen aufkam, besprachen Dr. Stamm und ich, dass ich nicht normal am Praxisalltag teilnehmen würde. Stattdessen ließen wir die letzten vier Wochen nochmal Revue passieren: ich hatte die Vielfältigkeit und Komplexität eines Hausarztes kennengelernt, vor allem auch in der landärztlichen Versorgung. Es kommen sowohl Kinder als auch Ü90-Jährige in die Praxis und werden in der Regel jahrelang begleitet. Die Bandbreite der Krankheitsbilder ist riesig: von banalen Infekten bis zum Verdacht auf Schlaganfall und direkter Krankenhauseinweisung durch den RTW war in den letzten Wochen alles dabei. Dabei kamen wir wieder auf abwendbar gefährliche Verläufe zu sprechen, die Hausärzt*Innen immer im Hinterkopf haben und zu verhindern versuchen.
Nach einem Erinnerungsfoto und der Verabschiedung von den Arzthelfer*Innen, sammelte mich Leonie wieder ein. Die Stimmung im Haus Lalling war eher gedrückt – Leonie würde schon vorfristig die Heimreise antreten und der Abschied fiel uns allen schwer. In den vergangenen vier Wochen sind wir doch sehr zusammengewachsen! Aber zum Glück steht schon der Termin für die erste Reunion im Dezember.
Bevor wir nach Grafenau zu einer kleinen Abschiedsparty fuhren, haben wir uns noch von unserer Vermieterin verabschiedet und probierten alle (zumindest alle Nicht-Fahrer*Innen) den Blutwurz, ein Kräuterlikör der Region. Wolfgang und Elisabeth waren natürlich auch eingeladen und hielten eine kleine Rede über die letzten Wochen – ich bin gespannt, wer von uns für ein PJ-Tertial oder vielleicht sogar die Assistenzarztzeit wieder in den bayrischen Wald kommt. Bei Pizza und Getränken standen wir ein letztes Mal zusammen und überlegten, was wir seit dem ersten Wochenende in Regen alles erlebt hatten, und wer wen wo mal besuchen kommt. Sicher hat jede/r etwas andere Erfahrungen gesammelt, wir haben in verschiedenen Praxen und Stationen famuliert und in unterschiedliche Häusern gewohnt, aber ich glaube, wir sind alle gewachsen, haben viel gelernt und eine ganz besondere Zeit hier verbracht.