Exzellenter Winter Tagebuch
Freitag, 02.10.2026
Ich wache auf, bevor der Wecker klingelt, und starre in die Finsternis. Erst einige Minuten später fängt mein Körper an sich zu bewegen, zeitgleich kommt der altbekannte Ton aus meinem Handy. Es ist 06:00, wir haben 45 Minuten bis zur Abfahrt. Medikamente nehmen, drei Knäckebrote mit so einem veganen Protein-Aufstrich (der weniger Eiweiß erhält, als man sich wünschen würde) beschmieren, Kreatin ins Wasser und los. Nachdem Zähne putzen, versteht sich.
Ich sitze mit drei Kommilitoninnen im Auto. Unsere Fahrerin hat uns bereits drei Wochen lang durch die Gegend kutschiert und macht damit noch mehr Arbeit als ich. Allein die Fahrt zur Praxis dauert eine halbe Stunde. Heute ist mal ausnahmsweise kein Nebel im Tal, dafür lässt der Sonnenaufgang die Wolken unverschämt rot aufleuchten.
7:25 setzen wir zwei der Kommilitoninnen (und ich muss -innen sagen, ich bin der einzige Mann im Auto) bei ihrer Praxis ab und fahren dann weiter.
7:30 sind wir bei Furth im Wald.
Schnell umziehen (die Roten Uniformen sind echt fesch) und dann widmen wir uns einem speziellen Auftrag – der Chef hat gemeint, wir sollen ein bisschen Social Media Content von den Studenten in der Praxis Filmen. Wir filmen ein paar Konzepte, aber sind noch nicht recht überzeugt. Leider müssen sich nun die Prioritäten ändern, denn es kommen schon die ersten Patienten. Man vertraut mir schon einiges an – ich darf selbstständig Faden ziehen, beim Schallen finde und vermesse ich einen Nierenstau, und auch bei der Anamnese kann ich den Ärzten viel Arbeit abnehmen. Gestern habe ich alleine eine Gastritis diagnostiziert, und wusste auch schon die richtige Therapie (selber verschreiben darf ich natürlich nichts).
Manchmal muss aber doch der Arzt ran – so lande ich z.b mal bei einem Patient im Zimmer, der etwas “Persönliches und nicht Medizinisches” mit dem Chef besprechen will. Manche Patienten sind auch etwas verwirrt, warum ich nun vor ihnen stehe und keine der Ärzte, die sie schon seit Jahren kennen. Sobald ich ihnen meine Situation schildere, ist die große Mehrheit dennoch bereit, mitzumachen. Dadurch, dass ich nicht so viele Pflichten habe wie die Ärzte, kann ich mir auch viel Zeit für die Patienten nehmen. Viele wollen eigentlich nur reden. Bei einigen Aufgaben (zb. Dem legen eines EKGs) werde ich zudem von den MFAs angeleitet. Sie arbeiten eng mit den Ärzten zusammen, in der Praxis sind alle per Du. Eine willigt sich sogar ein, als wir ein bisschen Zeit zwischen Patienten haben, kurz bei einem Dreh mitzuspielen… solange man sie nicht von vorne sieht. Na ja.
Um 12 geht es schon weiter, wir haben eine Stunde Fahrt nach Regen zum Teaching vor uns und ich bin heute für die Snacks zuständig. Ich kaufe: Drei Baguettes, sechs Brezen, zwei Hummus Aufstriche. Als wir in Regen parken, sind es noch zweieinhalb Baguettes und fünf Brezen. Das ist in Ordnung, ich habe es mit einkalkuliert. Die ganze Arbeit macht einen Hungrig.
Fürs Geriatrie Teaching kommen alle Häuser zusammen. Wolfgang stellt uns die anderen Kursleiter vor, teilt uns in 4 Gruppen, und dann geht’s los.
Es gibt 4 Stationen:
1) Medikamente absetzen.
2) Test bei Geriatrischen Patienten
3) Physiotherapie bei Stroke & Parkinson Patienten
4) Ergotherapie bei Multimorbiden
Alles recht interessante Einheiten mit motivierten Lehrkräften. Das mit dem Medikamente absetzen kann man sicher gleich in der Praxis einsetzen, wenn man die ganze Polypharmazie der Patienten durchgeht. Gleichzeitig… ich habe den Eindruck unsere Hausärzte sind da schon gut dabei. Ich sollte schauen das ich mir die Patienten frisch aus dem Krankenhaus erwische. Hmm.
Nach dem Teaching gehe ich ins Gym. Das hab ich im Verlauf der Landarztmacher nicht super regelmäßig hinbekommen, aber dennoch ab und zu. Ich wollte eigentlich per Anhalter zurück zur Unterkunft, aber es wird im Oktober so früh Dunkel, und im Dunkeln nehmen die Leute hier keine Anhalter mit. Deswegen muss mich doch jemand von meiner Unterkunft mit dem Auto abholen. Der Bus wäre eine Option, aber leider fährt der Gefühlt einmal am Tag.
Das Essen ist fantasisch. Ich hatte mir als Veganer total sorgen gemacht, aber in der WG sind ganz viele Veganer und Vegetarier, deswegen wird Abends immer Vegan gekocht. Wir wechseln uns mit dem Kochen ab. Ich esse hier vielseitiger und besser als daheim, was auch dafür spricht, das ich mich zuhause mal mehr anstrengen sollte. Dann geht’s ins Bett. Es war eine lange Woche. Morgen ist Samstag, da darf ich ausschlafen.Ich bin sehr froh, meinen Sommer im Oktober verbringen zu können.





