Exzellenter Sommer Tagebuch
Dienstag, 01.10.2024
Wie fast jeden Morgen in den letzten vier Wochen hat mein Wecker heute um viertel vor sieben geklingelt. Obwohl ich niemanden der anderen vorher in seine oder ihre Praxis bringen muss und somit auf niemanden warten muss, bin ich fünf Minuten zu spät aus der Haustür gestolpert (auch wie fast jeden Morgen in den letzten vier Wochen) und die halbe Stunde zur Praxis gedüst. Ich liebe die morgendliche Fahrt auf der Landstraße, seit einigen Tagen fangen die Sonnenblumen auf den Feldern an zu blühen, und manchmal kann man einfach nur den stillen Nebel beobachten, der morgens noch das Tal bedeckt. Heute war wieder ein spannender Tag in der Hausarztpraxis, an dem ich einer Vielzahl von Patient*innen mit unterschiedlichen Krankheitsbildern und Geschichten begegnet bin. Mittlerweile sind mir die Abläufe bekannt. Ich mache das Vorgespräch mit einigen Patient*innen, beginne bereits sie zu untersuchen und stelle den Fall dann dem Arzt vor, dem ich an diesem Tag zugeteilt bin. Nach fast einem Monat in der Praxis merke ich dabei bereits einen gewaltigen Lernfortschritt bei mir und frage schon viel differenzierter und mit klarerem Fokus nach Symptomen, als noch zu Beginn. Trotzdem gibt es jeden Tag neue faszinierende Erkrankungen, die ich kennenlerne, da die Allgemeinmedizin ein unfassbar facettenreiches Fach ist und hierbei leider viel zu oft unterschätzt wird.Die Mittagspause habe ich mit ein paar Mitbewohner*innen in einem Café verbracht, bis wir uns am späten Mittag auf den Weg in eine Grundschule gemacht haben, da heute das Teaching mit dem Schwerpunkt der Kinderheilkunde stattgefunden hat. Dabei ging es vor allem darum, dass wir lernen, unsere anfänglichen Hemmungen im Umgang mit Kindern zu verlieren. Nach einer kleinen Vorbesprechung mit zwei Kinderärzt*innen zu gängigen Kinderkrankheiten und Behandlungstipps haben wir uns mit der ersten Klasse der Chamer Grundschule in der Turnhalle zusammengefunden. Dort hatten wir neben sehr kompetitiven Runden Zombieball sowie Kettenfangen die Möglichkeit, jede*r mit einem einzelnen Kind zu interagieren. Beispielsweise haben wir uns mit meinem Stethoskop die Brezel im Bauch angehört, die es zuvor zum Mittagessen gab (das klingt laut meiner kleinen Untersuchungspartnerin wohl genauso, wie wenn man mit dem Auto in den matschigen Wald fährt). Für viele war diese Erfahrung etwas ganz Besonderes und hat uns, egal ob mit oder ohne Vorerfahrung mit Kindern, sehr bereichert. Danach wurde es im Haus Viechtach nochmal so richtig trubelig: die einen bereiteten das Abendessen und Stockbrot für danach vor, andere kümmerten sich bereits um die Einkäufe für die morgige Abschlussparty und wieder andere backten Abschiedskuchen für die Praxen, da die letzten Tage der Famulatur bevorstehen. Da wir uns mit dem Backen auf den Tagen aufgeteilt haben, um genug Platz in der Küche zu haben, duftet es bei uns im Haus momentan jeden Abend herrlich nach Zimtschnecken und weiteren süßen Backwaren.Mit dem Duft in der Nase bin ich vollkommen müde, satt und glücklich eingeschlafen.