Exzellenter Winter Tagebuch

Mittwoch, 30.09.2026

Um 6 klingelt der Wecker, das Frühstück ruft. Von getoastetem Brot mit Rührei bis Lebkuchen auf die Hand, ist alles dabei. Gut, dass den Patient/innen immer zu einem gesunden Lebensstil geraten wird. Dann ab ins Auto nach Cham. Ich darf heute DJ spielen, während die Sonne über der Landstraße nach Wiesel aufgeht. Über den Feldern hängt noch der Nebel, eine Freundin aus der Heimat würde das „romantisch“ nennen. Der Abschied von meinen zwei Mifahrerinnen ist herzzerreißend wie immer, aber die Praxis ruft.
In der Sprechstunde behandeln wir allerlei Patient/innen, von akuten Beschwerden bis zu multimorbiden internistischen Patient/innen. Ich darf zwischendurch das Abdomen und kleine Becken schallen, es nimmt so langsam etwas Form an (dem Sono Teaching der ersten Woche sei Dank!).  Auch Anamnese und körperliche Untersuchungen dürfen mittlerweile alleine durchgeführt werden, natürlich nicht ohne sorgfältige Überprüfungen unserer Ärzt/innen. Zwischen den einzelnen Terminen ist Zeit für tausende Fragen und auch Übersetzungen (zwischen rheinischem und bayrischem Dialekt liegen einfach Welten). Insgesamt fällt das Sprachliche mittlerweile leichter, „ Merci dir“, „Griaß di“ und „Pfiat eich“ gehen immer leichter von den Lippen.
Für das Nachmittags Teaching fehlt mir noch ein Patientenfall zur Diagnose „Depressionen“. Mit meinem Arzt nehmen wir uns Zeit um dieses sensible Thema zu besprechen. Dies eröffnet weiterführende Diskussionen über das Gesundheitssystem und die verschiedenen Versicherungen. Mein nicht-medizinisches Highlight des Tages: mir wird von einem ganz talentierten Schulkind ein Bild geschenkt. Das kommt in Viechtach an den Kühlschrank!
Um 13 Uhr treffen wir uns mit den anderen Studierenden beim Döner-Laden des Vertrauens um gut gestärkt ins Teaching zu gehen. Danach gehen wir nochmal schnell die S3-Leitlinie zum Thema Depressionen durch. Wolfgang wäre stolz auf uns, die 120% kommen ja nicht von irgendwo.
Pünktlich um 15 Uhr beginnt das Teaching in der AOK in Cham, Patientenfälle und Snacks im Gepäck. Der Dialog mit unserer Dozentin Frau Amann (Chefärztin der Neurologie in Straubing) ist super spannend. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde bekommt jede Person die Möglichkeit Fragen zu stellen und über bisherige Erfahrungen mit der Krankheit zu erzählen. Wir hangeln uns an den Patientenfällen entlang, gehen die Symptomatik, Diagnosestellung und Therapie durch. Wir schweifen zwischendurch immer mal wieder ab, aber am Schluss haben alle Teilnehmenden eine Idee davon, wie Patient/innen mit Depressionen in der hausärztlichen Versorgung vorstellig werden und wie ihnen geholfen werden kann. Vom Teaching nehmen wir viel Motivation und sinnvolle Tips in die Praxis mit.
Um 18 Uhr brummt der Motor wieder, volle Fahrt voraus nach Arnsbruck – heute ist Damensauna! Als wir ankommen steigt die Angst, dass man in der Früh im Trubel doch nicht ans Handtuch gedacht hat. In der Umkleide dann die Erleichterung: Alles dabei – Entwarnung! Die eine Hälfte zieht stetig ihre Bahnen, die andere schwitzt in der Sauna. Um 21 Uhr treffen sich die beiden Fraktionen am Ausgang mit einem gemeinsamen Ziel: Das Abendessen in Viechtach. Als wir im Haus ankommen steht, wie es sich gehört, das von den Jungs gekochte Essen bereits auf dem Tisch. Es gibt Maultaschen, es schmeckt super, alle werden satt! Und so geht ein weiterer Tag im bayrischen Wald zu Ende. Gute Nacht!