Exzellenter Winter Tagebuch
Freitag, 13.03.26
Um Punkt sechs Uhr morgens klingelt im Haus Waldmünchen der erste Wecker. Da wir zu fünft sind und uns nur ein Badezimmer mit Dusche teilen, muss einfach jemand den Anfang machen. Mittlerweile läuft die Morgenroutine schon fast automatisch ab: Sachen zusammensuchen, auf dem Weg ins Bad die Kaffeemaschine einschalten und frisch machen. Währenddessen hört man schon die nächste Frühaufsteherin, die die Spülmaschine ausräumt – langsam erwacht das ganze Haus.
Heute waren wir alle etwas früher wach als sonst, sodass sogar Zeit für ein gemeinsames Frühstück blieb. Dabei schmiedeten wir schon Pläne für den Nachmittag: Vielleicht ein Ausflug ins Waldmünchner Schwimmbad? Doch plötzlich wurde es etwas hektisch – die Zeit war schneller vergangen als gedacht. Am Ende saßen aber trotzdem alle pünktlich im Auto auf dem Weg zu unseren Praxen.
Die Fahrt führte uns durch dichte Nebelfelder, die immer wieder von blauem Himmel und Sonnenschein durchbrochen wurden, hinein in den Landkreis Schwandorf. Unsere erste Mitfahrerin stieg in Tiefenbach aus, danach ging es zu zweit weiter nach Oberviechtach. Geparkt wurde an der Praxis meiner Fahrerin; für mich waren es von dort nur noch ein paar Meter zu Fuß bis zu meiner Praxis, fast mitten im Ort.
Mittlerweile betrete ich die Praxis schon fast wie ein festes Teammitglied und begrüße alle mit einem herzlichen „Guten Morgen“. Einer der Ärzte hatte an diesem Tag Notarztdienst und war bereits im Einsatz, weshalb wir zunächst mit einem etwas kleineren Team starteten als in den vorherigen Tagen meiner Famulatur.
Der Vormittag verging dann auch ziemlich schnell. Von Verbandswechseln bei OP-Wunden über Fadenzüge nach Operationen bis hin zu Medikamentenverschreibungen und Krankmeldungen war alles dabei. Besonders interessant fand ich heute ein Beratungsgespräch mit einer Patientin, die in den letzten Monaten stark an Gewicht zugenommen hatte und beim Endokrinologen eine Insulinresistenz diagnostiziert bekommen hatte. Nach dem Gespräch schienen fast alle ihrer Fragezeichen über dem Kopf verschwunden zu sein und mit dem neu verschriebenen Medikament kann sie hoffentlich wieder ein Stück Lebensqualität zurückgewinnen.
Zwischendurch kam auch der zweite Arzt wieder zurück in die Praxis. Nachdem wir noch eine Patientin untersucht hatten, ging plötzlich wieder der Notarztpiepser los. Also schnell die Jacken geschnappt und in eine etwa 15 Minuten entfernte Ortschaft gefahren. Dort wartete der RTW bei einer Patientin mit neurologischen Auffälligkeiten und Fieber. Eine eindeutige Diagnose ließ sich vor Ort nicht sofort stellen, aber eines war klar: Die Patientin musste ins Krankenhaus. Sie wurde auf die Trage des Rettungswagens umgelagert und anschließend zügig mit unserer Begleitung nach Schwandorf in die Klinik gebracht.
Zurück in der Praxis neigte sich der Vormittag bereits dem Ende zu. Zwei Patienten warteten noch. Bei einer Patientin stand erneut ein Fadenzug an. Beim zweiten Patienten durfte ich Anamnese und Untersuchung komplett selbstständig durchführen. Solche Momente sind für mich immer etwas Besonderes und fühlen sich wie ein großer Vertrauensbeweis an. Umso schöner ist es natürlich, wenn der Arzt später zum gleichen Ergebnis kommt.
Damit war mein Praxistag auch schon wieder vorbei – und gleichzeitig Woche zwei meiner Famulatur geschafft.
Da meine Fahrerin meist etwas später Feierabend hat als ich, nutzte ich die Zeit für einen kleinen Spaziergang durch Oberviechtach. Ein wirklich schönes Städtchen – sogar mit eigenem Kino! Praktischerweise musste ich ohnehin noch etwas einkaufen und schaute in der örtlichen Drogerie vorbei. Die Heimfahrt nach Waldmünchen verlief dann komplett in der Sonne, teilweise sogar mit offenem Fenster – einfach herrliches Wetter.
Zu Hause wartete das Mittagessen vom Vorabend: Chili con sin Carne (Chili mit ohne Fleisch) mit Linsen. Danach machten wir einen sonnigen Spaziergang zum Marktplatz von Waldmünchen, um uns ein Eis zu gönnen. Auf dem Weg dorthin begegnete uns ein Traktor, der gerade Gülle verteilte – der Spaziergang wurde dadurch kurzzeitig zu einer eher intensiven olfaktorischen Erfahrung. Während wir unser Eis in der Sonne genossen, planten wir gleich noch die Verpflegung für die kommenden Tage und den dazugehörigen Einkauf. Nach dem Rückweg gab es erst einmal einen kurzen Powernap, bevor sich drei der fünf Bewohner wieder auf den Weg machten, um die Einkäufe zu erledigen.
Am Abend kochten wir gemeinsam ein richtig leckeres Abendessen. Danach wurde unser Plan vom Morgen tatsächlich umgesetzt: Ein Teil der Gruppe machte sich noch auf den Weg ins Schwimmbad, während andere die Sauna nutzten – ein perfekter Abschluss für einen langen, aber rundum schönen Tag.


