Exzellenter Winter Tagebuch
Mittwoch, 04.03.26
Der Morgen begann für mich etwas anders als für die anderen Teilnehmer*innen des Exzellenten Winters. Während alle anderen gemeinsam in den Unterkünften rund um den Bayerischen Wald wohnen, habe ich das besondere Glück – oder vielleicht auch die Ausnahme – einfach zuhause in den Tag zu starten. Da ich hier lebe und meine Famulaturpraxis sich ebenfalls in meinem Wohnort befindet, fällt für mich die morgendliche Fahrgemeinschaft weg. Trotzdem beginnt auch mein Tag früh und voller Vorfreude auf das, was mich in der Praxis erwartet.
Schon am Vormittag zeigte sich wieder, wie vielfältig der hausärztliche Alltag im ländlichen Raum sein kann. Neben vielen Patientinnen und Patienten mit Infekten – die derzeit in der Praxis sehr häufig vertreten sind – begegnete mir ein besonders eindrucksvoller Fall. Ein über 90-jähriger Patient stellte sich mit einem handballgroßen Jodmangelstruma vor, das bereits zu einer deutlichen Verlagerung der Atemwege geführt hatte. Mein Hausarzt meinte schmunzelnd, einen solchen Befund sehe man heutzutage wohl fast nur noch im Bayerischen Wald. Für mich war es auf jeden Fall ein faszinierender und zugleich beeindruckender klinischer Befund.
Auch kardiologisch wurde es an diesem Vormittag spannend: Gleich zwei Patienten mit bekanntem Vorhofflimmern stellten sich in der Praxis vor und zeigten das klassische Pulsdefizit. Mein Hausarzt nahm sich viel Zeit, mir genau zu erklären, wie wichtig es ist, solche Patienten frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln. Gemeinsam besprachen wir die diagnostischen Schritte und worauf man in der klinischen Untersuchung besonders achten muss. Besonders lehrreich wurde es, als sich im Verlauf des Vormittags noch eine Patientin mit ganz typischer Symptomatik vorstellte. Diesen Fall durfte ich unter Anleitung selbst genauer untersuchen und mich intensiv mit den diagnostischen Überlegungen beschäftigen – eine unglaublich wertvolle Erfahrung.
Nach dem Vormittag in der Praxis machte ich mich schließlich auf den Weg nach Deggendorf zum Sonographie-Teaching. Bei herrlichem Sonnenschein führte die Fahrt durch den Wald – eine dieser Strecken, bei denen man merkt, wie besonders diese Region ist. Da ich etwas zu früh angekommen war, nutzte ich die Zeit, um noch einmal in Ruhe die Grundlagen der Sonographie durchzugehen. Vor der Praxis traf ich mich dann mit den zwei Mädels aus der Unterkunft in Grafenau. Gemeinsam gingen wir hinein und wurden direkt herzlich begrüßt – und zwar nicht nur vom Praxisteam, sondern auch von zwei äußerst freundlichen Labradorhündinnen, die sofort für gute Stimmung sorgten.
Doch nicht nur die Hunde waren ein Highlight: Ich war wirklich beeindruckt von der modernen Praxisausstattung und den neuen Ultraschallgeräten. Herr Dr. Schuberth, der die Gemeinschaftspraxis leitet, empfing uns unglaublich freundlich und nahm sich viel Zeit, uns alles genau zu erklären und wertvolle praktische Tipps zu geben. Dann ging es auch schon ans Schallen. Wir untersuchten uns gegenseitig und begannen mit der Schilddrüse, bevor wir uns einmal systematisch durch das gesamte Abdomen arbeiteten. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, selbst aktiv zu schallen und die Strukturen direkt auf dem Bildschirm zu erkennen. Die Zeit verging dabei wie im Flug – hätten die beiden Labradore nicht irgendwann ziemlich deutlich signalisiert, dass ihre Fütterungszeit längst überschritten war, hätten wir vermutlich noch stundenlang weitergemacht.
Als ich am Abend wieder zuhause ankam, schnürte ich noch kurz meine Laufschuhe und drehte eine kleine Joggingrunde, um den Kopf nach diesem ereignisreichen Tag noch einmal frei zu bekommen. Danach bereitete ich mich noch ein wenig auf den morgigen Praxistag vor, bevor ich den Abend schließlich entspannt ausklingen ließ. Ein wirklich lehrreicher und rundum gelungener Tag im Exzellenten Winter.



