Exzellenter Sommer Tagebuch
Wie jeden Morgen klingelt 6.15 Uhr mein Wecker. Nach einer kleinen Yogaeinheit mache ich mich noch Schlaftrunken auf den Weg zur Kaffeemaschine. Irgendjemand hat zum Glück schon Kaffee gekocht, so dass ich mich nur bedienen muss. Am Frühstückstisch wird noch schnell das Horoskop des Tages vorgelesen – für manche von uns scheint es ein sehr erfolgreicher Tag zu werden – bevor wir uns zu viert auf den Weg in die Aberlandklink nach Viechtach machen. 8.00 Uhr startet die Morgenbesprechung. Anschließend machen wir uns auf die Stationen, um Blut abzunehmen und Zugänge zu legen. Nach nun über 2 Wochen klappt das wirklich auch immer besser. Die Arbeit auf Station ist für mich damit erstmal erledigt, damit aber trotzdem keine Langeweile aufkommt mache ich mich auf den Weg in die Notaufnahme. Dort komme ich direkt zu dem ersten Patienten dazu, welcher über auffällige Sprachstörungen klagt. Ein CT wurde bereits gemacht und so erklärt mir die nette Assistenzärztin noch schnell den CT-Befund des Patienten. Sehr viel Zeit bleibt dabei aber nicht, denn im Nebenzimmer wartet auch schon die nächste Patientin auf uns. Sie klagt über Beinschmerzen und wurde vom Hausarzt mit dem Verdacht auf eine Beinvenenthrombose geschickt. Im Verlaufe des Sonos bestätigt sich dieser und ich bin fasziniert von dem gut sichtbaren Thrombus in der V.poplitea. Nach eingen weiteren spannenden Fällen geht es mittags für kurze Zeit wieder zurück in die Unterkunft nach Viechtach für eine Mittagspause. Einige von uns nutzen sie für gemeinsames Spikeball spielen. Ich erkunde einen der zahlreichen Trails im Wald hinter unserem Ferienhaus und bin wieder aufs Neue von der Natur des bayrischen Waldes fasziniert. Viel Zeit, um das herrliche Panorama zu genießen bleibt aber nicht, den um 15.00 Uhr steht schon wieder das Teaching zum Umgang mit Patientinnen mit Depressionen in der Medbo Klinik in Cham an. Zwei Studentinnen aus dem Hause Viechtach absolvieren dort gerade auch ihre Famulatur. Das Teaching beginnt mit einem Patienten, welcher nun zum dritten Mal innerhalb von einem Jahr in der Klinik ist. Er erzählt uns von seinem Leben mit den Depressionen, von seinen Sorgen und Ängsten, von Rückschlägen, aber auch von Therapierfolgen. Nach dem Gespräch haben wir alle viele Fragen im Kopf. Gemeinsam mit der Oberärztin erörtern wir nicht nur die typischen Symptome einer Depression, sondern vor allem die Frage, wie man im hausärztlichen Setting mit Patientinnen umgeht, wenn der Verdacht auf das Vorliegen einer Depression fällt. Welche konkreten Fragen stellt man, um eine akute Suizidalität auszuschließen? Welche Therapieoptionen gibt es bei Depressionen abseits einer medikamentösen Therapie? Wie kann man Familie und Angehörige mit einbeziehen? Einige Studentinnen haben auch Fallbeispiele aus ihren Praxen mitgebracht und so versuchen wir gemeinsam anhand dieser die aufkommenden Fragen zu klären. Am Ende fahren wir mit neuen Denkanstößen und praktischen Tipps zurück in unsere Unterkunft. Während die Kochgruppe nun in der Küche tanzt und den Kochlöffel schwingt, üben andere an Bananen schon mal die perfekte Nahttechnik für das morgige Teaching, spielen im Garten Spike Ball oder joggen noch eine Runde im Wald. Bei einer leckeren Spinat-Kichererbsen-Suppe wird über das kommende Wochenendprogramm diskutiert, was bei 21 Menschen mit verschiedenen Interessen doch schwerer ist als gedacht. Am Ende schaffen wir es aber wie immer uns zu einigen.