Exzellenter Sommer Tagebuch
6 Uhr
Mein Wecker klingelt, ich schrecke hoch, schlüpfe in meine Klamotten und stolpere die Treppe runter, dem Kaffeegeruch folgend, der aus der Küche lockt. Schnell Ingwershots mixen, den Porridge, den Elisabeth gezaubert hat, verschlingen und weiter geht’s.
7 Uhr
Wir warten ewig auf DaLe. Gefühlte Stunden vergehen, bis sich der Herr aus dem Haus ins Auto bequemt hat und wir uns (mit ganzen 4 Minuten Verspätung!) endlich auf den Weg machen können. Der Motor heult auf (Lenni hat’s eilig) und „sprengt“ eine Gruppe von Rehen „hoch“.
Aufm Weg nach Cham bestaune ich noch etwas verträumt die goldenen Sonnenstrahlen, die sich durch die Baumkronen schlängeln. DaLe singt und pfeift bei jedem Lied mit, das rückt in den Hintergrund und ich denke an eine Patientin, die sich letzte Woche mit Myalgien unklarer Genese vorgestellt hat und heute zur weiteren Besprechung in die Praxis Holzinger/Etti/Hauser kommt.
8 Uhr
Frau Dr. Etti winkt mich energetisch zu sich in den Sono-Raum, ich darf die Schilddrüse einer jungen Patientin schallen: unscharf begrenztes, wolkiges Parenchym: „meine“ erste Hashimoto-Thyreoiditis.
9 Uhr
Herr Dr. Holzinger führt geduldig zum wiederholten Male ein Aufklärungsgespräch mit einer non-complianten Diabetespatientin. Die Situation erinnert mich an das Teaching von vergangenem Samstag und ich merke, wie wichtig es ist, sich genügend Zeit für seine Patient*innen zu nehmen.
10 Uhr
Ich treffe einen Patienten an, den ich letzte Woche aufnehmen und untersuchen durfte. In der Sonografie war eine vergrößerte Gallenblase mit Wandverdickung aufgefallen, der Patient wurde mit V. a. Cholezystitis in die Klinik geschickt. Nun liegt er vor mir, mit mehreren kleinen Stichinzisionen von der laparoskopischen Cholezystektomie. Der Patient ist quietschfidel und berichtet mir während des Verbandwechsels locker-flockig von alldem, was in der Zwischenzeit passiert ist.
12 Uhr
Dr. Hauser winkt mich zu sich ins Sprechzimmer: die von Myalgien geplagte Patientin ist wieder da! Leider haben sich ihre Symptome unter der Prednisolon-Therapie nicht gebessert. Die Detektivarbeit geht also weiter, wir nehmen weitere rheumatische Antikörper ab- es bleibt spannend!
14 Uhr
Mein Magen knurrt, also schlendere ich durch Cham und hole mir beim Bäcker ein kleines Mittagessen. Im Stadtpark setze ich mich auf eine Bank und lese mir in Vorbereitung für den Nachmittag schnell den Amboss Artikel zum Thema orthopädische Untersuchung der Schulter durch.
17 Uhr
Nach einem ereignisreichen Tag in der Praxis fährt das EDV-Auto zurück nach Pfaffenzell. Léonie berichtet mit strahlenden Augen von ihrer neuen Praxis und Lenni erzählt eine Geschichte, in der es um eitrige Daumen geht- ich bin froh, dass ich auf dem Rücksitz nicht alles verstehe.
18 Uhr
Wieder zu Hause, ich schlüpfe in meine Laufsachen und jogge in der Golden Hour los durch Wald und Wiesen. Es duftet nach frisch gemähtem Gras und Kuhwiesen. Als ich auf dem Rückweg bin, ist die Sonne fast schon untergegangen, vorm Haus Gierl spielt eine Gruppe Spikeball.
19 Uhr
Das Kochteam hat Gnocchi in Gemüsesauce gezaubert. Alle machen sich glücklich über die Mahlzeit her und tauschen Geschichten aus ihren Praxen und Kliniken aus.
23 Uhr
Ich sitze allein am Küchentisch, denke über den Tag nach und schreibe den Tagebucheintrag. Krass, dass schon die dritte Woche begonnen hat! Jetzt wirds aber auch Zeit fürs Bett- gute Nacht!
Liebes Tagebuch,
um 6:10 klingelte mein zweiter Wecker und ich ging verschlafen die Treppe hinunter in die Küche. Nachdem ich das Radio angestellt und mir mein Brot zum Mittagessen geschmiert hatte, kamen ein paar andere in die Küche und wir frühstückten gemeinsam.
Auf der Fahrt zu unseren Praxen konnten wir den Sonnenaufgang genießen (Beifahrer*innen) oder wurden von ihm geblendet. Wie jeden Morgen kam uns der Busfahrer Tobi entgegen, der die Schulkinder aus dem Nachbarort einsammelt.
Als ich um 7:40 Uhr in der Praxis ankam, half ich als erstes im Labor und nahm ein paar Diabetes-Patient*innen Blut ab, die jedes Quartal im Rahmen des DMP-Programms in die Praxis kommen. Danach begleitete ich Dr. Wieland beim Ultraschall und durfte zu den Patient*innen vorgehen, um sie schonmal zu sonografieren.
Später begleitete ich die offene Sprechstunde. Wenn immer es etwas Spannendes zu sehen gibt, werde ich dazugerufen, wodurch ich viel lernen kann. Hier gibt es nur offene Sprechstunden, weswegen es immer eine Überraschung ist, wer als nächstes in die Praxis kommt, und Patient*innen sehr flexibel vorbeikommen können.
Mein Mittagessen genoss ich auf der Terrasse der Praxis mit wunderschönem Blick über den Bayrischen Wald.
Montag Nachmittag steht immer der Hausbesuch bei zwei Pflegeheimen an. Heute begleitete ich Dr. Empl ins Pflegeheim Rosenium. Ich finde es spannend, die hausärztliche Versorgung und die Zusammenarbeit mit den Pfleger*innen in Heimen kennenzulernen.
Von 16-18 Uhr war nochmal offene Sprechstunde in der Praxis. Heute Nachmittag kamen unter anderem Patient*innen mit akuter Appendizitis und Verdacht auf tiefe Beinvenenthrombose. Ich finde es sehr faszinierend, wie vielfältig die Krankheitsbilder in einer Praxis auf dem Land sind. Außerdem versuchte ich mich in die Schilddrüsensonografie einzuarbeiten.
Erschöpft vom langen Tag kam ich um halb 7 nach Hause und schon bald gab es eine leckere Kürbissuppe. Freundlicherweise organisierte uns René Kurtz, Leiter der GesundheitsregionPlus aus Freyung-Grafenau einen Beamer, weswegen heute Abend unser erster Filmabend stattfinden konnte und wir in Kindheitsheitserinnerungen schwelgten.
Nach dem Film fielen wir alle erschöpft ins Bett.
Wir freuen uns auf morgen und schauen mal was wird.