Exzellenter Sommer Tagebuch
Um 6:10 Uhr klingelt mein Wecker und reißt mich aus dem Schlaf. Auf dem Weg ins Bad höre ich schon den Kaffee, der Tropfen für Tropfen durch die Filterkaffeemaschine fließt. Ein gutes Zeichen!
Ich fahre mit Hanna gemeinsam Richtung Deggendorf. Man merkt, dass der Herbst vor der Türe steht. Der Nebel hängt in weißen Schwaden tief in den Tälern. Angekommen in Deggendorf beginnt um Viertel vor Acht die Frühbesprechung der Neurologie. Der Chefarzt, Dr. Fortwängler stellt die Patienten der Intensiv-, Stroke- und Normalstation vor und bespricht mit den anderen Ärzten die, am heutigen Tage, anstehenden Untersuchungen.
Wieder zurück auf Station erhalten wir einen Anruf aus der Notaufnahme. Gerade wurde ein Patient mit Verdacht auf Schlaganfall mit dem Rettungsdienst eingeliefert. Die Dringlichkeit der Lage wird dadurch verdeutlich, dass wir die Treppe statt dem Aufzug nutzen (ungewöhnlich!!!). In der Notaufnahme angekommen, wird der Patient schon auf den CT-Tisch umgelagert. Bei einer kurzen Untersuchung sticht die Diagnose sofort ins Auge: Hängender Mundwinkel, verwaschene Sprache und Hemiparese der rechten Seite. Eine Minute später bestätigt das CT die Verdachtsdiagnose. Ein ca. 2 cm großer hämorrhagischer Schlaganfall im Bereich der linken Stammganglien. Der Patient wird auf unsere neurologische Station verlegt und der Blutdruck medikamentös eingestellt. Ziel ist ein systolischer Druck von maximal 140 mmHg. Am Mittag nehme ich mir noch einmal Zeit, den Patienten vollständig neurologisch zu untersuchen. Schon hier fällt eine Verbesserung der Symptomatik auf. Eine deutlichere Aussprache und mehr Kraft im rechten Arm. Bis die Symptomatik vollständig zurückgegangen sein wird, werden wohl noch ein paar Wochen vergehen.
Nach einem intensiven Kliniktag kommen wir alle in unserer Unterkunft in Lalling an und essen gemeinsam zu Mittag. Danach folgt eine gemeinsame Fällebesprechung mit einer Ärztin aus dem Ort. Jeder hat einen interessanten, spannenden oder ungewöhnlichen Fall aus dem Praxisalltag mitgebracht und wir besprechen gemeinsam das beste Vorgehen. Von der Anamnese zur Untersuchung bis zur Therapie.
Zum Abschluss des Tages fahren wir alle gemeinsam auf den Sportplatz des Ortes und spielen, im Licht der untergehenden Sonne, ein paar Runden Roundnet (Das Spiel mit dem runden Trampolin und dem kleinen, gelben Ball). Der Teamsport der Unterkunft Lalling. (An die anderen Unterkünfte: Macht euch auf unser gemeinsames Abschlussturnier gefasst!)
Nach einem sehr leckeren Abendessen (Danke Juline und Leonie) und einer Runde „Codenames“ fallen wir alle müde ins Bett.
6:35 – der Wecker klingelt. Zum Glück scheint schon die Sonne durch unser Dachfenster, da ist das Aufstehen gleich viel angenehmer. In der Küche steht das Frühstück schon auf dem Tisch und der Kaffee ist auch schon gekocht- dass wir aufgrund der verschiedenen Arbeitszeiten schichtweise frühstücken, hat auch seine Vorzüge. Gut gestärkt kurven wir durch den Nationalpark zu unseren Praxen. In meiner Praxis angekommen, darf ich eine U-Untersuchung machen. Der kleine Junge ist kerngesund und nachdem wir mit seinem Spielzeuglastwagen einmal über den Boden gerutscht sind, lässt er sich auch von mir untersuchen. Die nächste Patientin ist über 80 und kommt zur Diabetes-Einstellung, wobei ich neben den Medikamenten gleich noch eine kleine Einführung in die Fremdsprache Niederbayrisch bekomme. Dass in der Praxis von 0-99 Jahren wirklich alle Altersstufen vertreten sind, sorgt wirklich für Abwechslung. Mit vielen PatientInnen sind die Ärzte in der Praxis auch privat bekannt und wissen genau über deren Lebensumstände Bescheid, was es erleichtert, die individuell passende Therapie zu finden. Im Laufe des Vormittags impfe ich noch ein paar Kinder, wir behandeln Husten, Schnupfen und Rückenschmerzen. Zwischendrin haben wir sogar Zeit für eine Kaffeepause, bei der mir die Ärztin von ihren spannendsten Fällen erzählt. So verfliegt der Vormittag nur so, und es geht zurück nach Grafenau.
Mittags bekommen wir Besuch von Patty, einem sehr gutmütigen und flauschigen Zeitgenossen, der erst einmal mit Streicheleinheiten verwöhnt wird. Mit im Schlepptau bringt er seinen Hundebesitzer Dr. Blank, der sich mit uns in gemütlicher Runde in den Schatten eines Apfelbaums in unserem Garten setzt. Bei Kaffee und Kuchen besprechen wir spannende Fälle aus unseren Praxen oder Kliniken. Gemeinsam diskutieren wir mögliche Differentialdiagnosen und versuchen, unser diagnostisches Vorgehen zu strukturieren. Von FSME nach einem Zeckenbiss bis hin zu Harnverhalt ist viel Spannendes und auch Überraschendes dabei, und wir stellen wieder einmal fest, wie sehr man vom Austausch mit anderen profitieren kann.
Danach statten wir den Ziegen und Kälbern nebenan einen Besuch ab und spielen Spike- und Volleyball im Garten. Den Abend lassen wir mit veganen Burgern ausklingen. Wir freuen uns auf den nächsten Tag und schauen mal, was wird. Was wird.