Exzellenter Sommer Tagebuch
Wie jeden Morgen unter der Woche klingelte der Wecker heute wieder um 5:30- nur problematisch, wenn man am Vorabend später als 21:00 Uhr ins Bett gegangen ist. Weil unsere Fahrerin sich leider eine fiese Erkältung zugezogen hat und heute sich zu Hause auskuriert hat, wurden wir von Vivien mitgenommen. Mit einer guten Stunde Verspätung erreichen wir das Krankenhaus. Schnell umgezogen und meinen (absolut tollen) Assistenzarzt Dr. Paukner angerufen, ging es auch schon mit ihm auf Visite.
Verpasst habe ich nur die morgendliche Blutabnahme und die radiologische Konferenz, wo Fälle vom Vortag besprochen werden. Auf Visite schaue ich mir mit den Ärzten und Pflegern die Wunden der Patienten im Verlauf an und plane die nächste Schritte der Therapie. Eigentlich wäre danach etwas Zeit im OP eingeplant für mich, aber mit einem Blick auf den OP Plan war klar, dass ich meine Zeit etwas besser nutzen kann, als bei kleinen Eingriffen zuzuschauen. Also sind wir ins Arztzimmer gegangen, wo mir ausführlich verschiedene Themen erklärt wurden. Wann und wie lege ich eine Thoraxdrainage? Welche Arten der Osteosynthesen gibt es? Was ist der Zweck einer Stellschraube? Und woher kommt das Klischee des dummen Unfallchirurgen? Schließlich haben wir einen Patienten besprochen, den ich letzte Woche in der Notaufnahme aufgenommen habe und wo ich gestern im OP zuschauen durfte- 120% für die Fallbesprechung morgen Nachmittag.
Eine kurze Mittagspause zu Hause und schon ging es mit einem EKG Lineal bewaffnet zum Teaching in die AOK Regen. Jetzt sind wir natürlich Profis in Sachen Lagetyp, Schenkelblöcke und Infarktlokalisationen.
Und wer denkt, dass nach 12,5 Stunden Programm, Klinik, Fahrerei und Teaching Feierabend ist, hat falsch gedacht. Zum krönenden Abschluss des Tages gibt es noch einen Vortrag zu Mythen der Allgemeinmedizin; Wer verdient wohl mehr? Ein Hausarzt oder ein Oberarzt in der Klinik? Für die Antwort vielleicht einfach am nächsten Exzellenten Winter teilnehmen. Nach einem ganz kurzen Pizza-Verdauungs-Spaziergang sitzen wir noch ein paar Minuten beisammen im Wohnzimmer und lesen die Tagebucheinträge der letzen Tage. Gleich gehts dann etwas zu spät ins Bett, aber wir freuen uns auf morgen und schauen mal was wird.
Wie immer klingelte der Wecker um 06.34 (06.30 wäre ja viel zu früh). In der Küche stand ich einige Minuten unkoordiniert herum, bis ich richtig aufgewacht bin und den anderen auch einen guten Morgen wünschen konnte. Dies hat für großes Gelächter gesorgt und ich habe mich gefreut, dass ich den anderen einen schönen Morgen bereiten konnte. In der Praxis habe ich nach einigen Blutentnahmen und Impfungen zwei Knieuntersuchungen durchführen dürfen, konnte Fäden ziehen und meinen Hausarzt auf einen Notarzteinsatz in ein Altenheim begleiten, wo ich sehr eindrücklich das erste Mal die „Totenstille“ eines Ileus gehört (oder eben nicht gehört) habe. Nach einer kleinen Mittagspause im Haus Viechtach mit Kaffee und gemeinsamem Yoga ging es dann nach Regen zum EKG-Kurs, der mir sehr gelegen kam, da das letzte Herz-Kreislauf-Modul bei mir schon etwas her war. Wir sind schrittweise nochmal alle wichtigen Punkte einer EKG-Befundung durchgegangen und konnten an vielen passenden EKGs üben. Da abends noch ein Vortrag per Zoom geplant war, haben wir uns Pizza bestellt, waren am Regen spazieren und sind dann ins Klinikum nach Viechtach gefahren, um über die größten Mythen der Allgemeinmedizin zu sprechen und zu fragen, wie das eigentlich mit der Facharztausbildung aussieht und was nochmal Tarifverträge waren. Um 21.30 Uhr waren wir endlich daheim und sind ohne Umwege nach diesem langen Tag endlich ins Bett